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Die "KRR"-FAQ


Register


Bitte beachten Sie diese einleitenden Worte zum Register

- Davidis, Florian Thomas
- Deutsches Reich Komitee -> Haug, Matthes Peter Dr.
- Ebel, Wolfgang Gerhard Günter
- "Exilregierung Deutsches Reich"
- "Exilregierung 2.tes Deutsches Reich" -> Ludowici, Edgar
- "Fürstentum Germania"


 

Davidis, Florian Thomas

Florian Thomas Davidis dürfte seinen Patientinnen in erster Linie als Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe bekannt sein. Doch auch als "Reichskanzler" der "Nationalversammlung" des Dr. Haug erlangte er einen gewissen Bekanntheitsgrad. Den "Reichsbürgern" wurde Davidis wie folgt vorgestellt:

"Florian Davidis wuchs in verschiedenen Ländern dieser Erde auf und spricht fünf Sprachen fließend. Er machte ein Studium Generale und spezialisierte sich später auf die Medizin" (Screenshot).

In der medizinischen Forschung ist Florian Davidis angeblich ganz vorne mit dabei, hat er doch sogar ein Heilmittel gegen SARS entdeckt (Screenshot). Davidis wird auf der Internetseite von "Agape United" (dort ist er Vizepräsident) u.a. als Mitbegründer und "medizinischer Kopf" von "Vitaversum" aufgeführt, einer als "Health and Research Clinic" bezeichneten Einrichtung in Deutschland. Als Vertreter dieses "Forschungsinstituts" lobt Davidis das "Heilmittel" und empfiehlt die tägliche Einnahme "as a prevention to any person in regions with possible SARS infections". Angeblich, so ist der Internetseite von "Agape" zu entnehmen, sei Davidis auch als der Anti-Aging-Experte für bekannte deutsche "TV Health Programs" aktiv gewesen (Screenshot). Auf der Linkliste von "Vitaversum" finden sich u.a. Verweise zu "Impfkritikern" wie Hans Tolzin oder zum "Psychopoltik"-Forum des der Scientology-Sekte nahestehenden "Michael Kent" (Screenshot). Im "Bürgerforum des Deutschen Reiches" schwadronierte Davidis über "Neue Medizin", schickte dabei "allerdings" voraus, daß "der Begriff 'Neue Medizin' für eine besondere Medizin steht, der Medizin des Dr.med. Ryke Geerd Hamer". Eine Wertung verkniff er sich (Screenshot).

Teile seiner - deutlich revisionistische Züge tragenden - "Regierungserklärung" vom 7. Mai 2005 waren einem Text entlehnt, der erstmals in der verschwörungstheoretischen "Aufklärungsarbeit" erschienen war (siehe dazu hier). Und obwohl längst widerlegt, verstieg sich Florian Th Davidis selbst in dieser "Regierungserklärung" zu der Aussage, das Grundgesetz sei nach HLKO ein Gesetz zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung:

"Vor 60 Jahren verordneten die Siegermächte dem besiegten Deutschland: Identitätsaufgabe, Vaterlandslosigkeit (Heimatlosigkeit), Erbschuld, Demütigung und ein Besatzerrecht, daß sie Grundgesetz nannten, definiert als Gesetz zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in den besetzten Gebieten - (Hager Landskriegsordnung)"

(Screenshot; siehe dazu auch hier).

Allerdings war Davidis bereits in seiner "Antrittsrede" am 28. November 2004 nicht gerade durch weltbewegende Erkenntnisse aufgefallen, sondern verbreitete das übliche "KRR"-Gerede vom "Feindstaat" Deutschland ohne "frei gewählte Verfassung". Die Bundesrepublik bezeichnete er dabei als "Illusionsstaat" (Screenshot). Von 122 Stimmberechtigten stimmten damals nur 68 Mitglieder der "Nationalversammlung" für Davidis. Gegenstimmen gab es jedoch keine.

Im Mai 2005 wurde von Uwe Behnken eine Sendung mit Davidis und Matthes Haug zum Thema "Das Deutsche Reich heute - Eine Legende oder der Rettungsanker" produziert, die im Offenen Kanal Bremen ausgestrahlt werden sollte. Inzwischen wird die Sendung als DVD im Shop des "Reichsnachrichtenportals" verkauft. Im Verlauf der Sendung forderte Davidis indirekt die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung:

"Wenn wir ein System, das an die Wand gefahren ist, mit den Mitteln ändern wollen, die das System geschaffen haben, dann werden wir es nie schaffen. Wir müssen in dem Moment, wo wir so etwas erkennen, daß das System keine Antworten mehr gibt auf Entwicklungsfragen, auf die Zukunft, müssen wir das System ändern."

In einem Internetforum, in dem die Mitarbeit des Ryke Geerd Hamer bei der Haug'schen "Regierung" diskutiert wurde, war Ende August 2006 die Behauptung zu lesen, daß Haug sich von Florian Davidis getrennt habe (Screenshot). Eine Bestätigung dafür ist der "KRR"-FAQ bisher nicht bekannt. Womöglich hängt diese Behauptung mit der in der ersten Jahreshälfte 2006 von Haug verkündeten "Auflösung" des "Kabinetts" zusammen. Auf Haugs "Informationsseite" war in einer Erklärung zu lesen:

"Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Zeit der Regierungen für ein bislang nicht souveränes Deutsches Reich noch nicht gekommen ist.
Unter diesen Umständen liefe eine Regierung Gefahr, zu ausschließlichen "Amtspersonen" zu verkümmern.

Aus diesem Grund wurde beschlossen, sich vom Tragen von Amtstiteln zu trennen und das Kabinett selbst aufzulösen."

Obwohl auch Davidis von der "Nationalversammlung" gewählt wurde (siehe oben), bleibt laut Haug lediglich der "Präsident als gewählter Repräsentant der Nationalversammlung (...) bestehen" (Screenshot). Statt eines "Kabinetts" soll es zukünftig einen "Rat der Nationalversammlung" geben.

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Deutsches Reich Komitee -> Haug, Matthes Peter Dr.

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Ebel, Wolfgang Gerhard Günter

Wolfgang Gerhard Günter Ebel, geboren 1939, ist der "Erfinder" der "kommissarischen Reichsregierung".

Seine "Regierung" ist äußerst erfinderisch, wenn es darum geht, den "Bürgern" das Geld aus der Tasche zu ziehen. Man verkauft nicht nur die üblichen Fanartikel wie "Ausweise" und "Kfz-Kennzeichen", sondern bietet auch Kurse an, auf denen die Bürger zu "reichsrechtlichen Rechtsbeiständen" ausgebildet werden, an mehreren Wochenenden, mit "Abschlußprüfung". Geleitet werden diese Veranstaltungen von Ebel selbst. Zu den Teilnehmern eines solchens "Kursus" zählte nach eigenen Angaben auch "Kawi" Schneider (Screenshot), der bereits wegen Volksverhetzung ins Visier von Staatsanwaltschaft und Gericht geriet. Der wegen Volksverhetzung vorbestrafte Bernhard Becker, Betreiber einer wegen schwer jugendgefährdender Inhalte indizierten Internetseite, sendete Kopien seiner Schreiben an Behörden auch an "Reichskanzler" Ebel. Somit lassen sich bei der "KRR" des Herrn Ebel Verbindungen in die rechtsextreme Szene belegen. Der niedersächsische Verfassungsschutz geht in seinem Bericht 2005 sogar so weit, Ebel selbst als "Rechtsextremisten" zu bezeichnen (S. 65, Fußnote 38). Die von Ebel ursprünglich gegründete "KRR" habe aufgrund der geringen "Akzeptanz Ebels im rechtsextremistischen Spektrum an Bedeutung verloren", ist dem Bericht zu entnehmen (Niedersächsischer Verfassungsschutzbericht 2005, Pressefassung; PDF-Datei, ca. 921 kb).

Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist dieser Eintrag in drei Teile gegliedert:

1. Die bewegte Vergangenheit des Wolfgang G. G. Ebel

2. Schuldunfähigkeit des Wolfgang G. G. Ebel

3. Die "Ämter" des Wolfgang G. G. Ebel

 

1. Die bewegte Vergangenheit des Wolfgang G. G. Ebel

Wolfgang G. G. Ebel war Beschäftigter der "Deutschen Reichsbahn" - nach 1945, also der "DDR"-Bahn. Auch die Bahnen in West-Berlin wurden von der "Deutschen Reichsbahn" betrieben, die Beschäftigten dort wurden also von der "Deutschen Reichsbahn" bezahlt. Unter anderem dieser Tatsache dürfte es zu verdanken sein, daß Ebel an die Fortexistenz des "Deutschen Reiches" glaubt.

Im "provisorischen Reichsforum" schrieb der Berliner "Max" am 01.12.2002:

"Ebel hat nie verkraftet, dass sich dieser Status einmal ändern konnte. Wer kann sich denn schon ein Bild von diesen damaligen Verhältnissen machen? Die westberliner Reichsbahner waren eine Art soziales Aushängeschild und politische Speerspitze der SED in Westberlin. Ebel war einer der Anführer eines Streiks der westberliner Reichsbahner, - liebe Bürger der neuen Bundesländer, hier eine kleine Frage für Euch. Wie wäre es einem Reichsbahner in der DDR ergangen, wenn er sich an der Organisation eines Streiks beteiligt hätte? Ich hätte unabhängig von juristischen Streitereien und politischen Differenzen damals im KRR-Forum gerne diesen historischen Aspekt diskutiert...Ebel als westberliner Reichsbahner wegen Streik in die Irre gemobbt und nach der "Wende" von ausgemusterten Führungskadern reaktiviert, um auf "nationalem Terrain" ein paar tauschwertartige Objekte unter eigene Kontrolle zu bringen, - Euros beispielsweise; ein langer Satz, fast schon ein Drehbuch."

(Screenshot)

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2. Schuldunfähigkeit des Wolfgang G. G. Ebel

Laut einem Bericht in der "taz" vom 15.8.2000 ist Wolfgang G. G. Ebel schuldunfähig.

Der juristische Begriff der Schuldunfähigkeit ist in § 20 StGB legaldefiniert:

"Ohne Schuld handelt, wer... wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen tiefgreifender Bewußtseinsstörungen oder wegen Schwachsinns oder einer anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht seiner Tat einzusehen..."

Als Uwe Bradler noch als "Pressesprecher" für Ebel tätig war, leugnete er stets, daß Ebel tatsächlich schuldunfähig sei. Dies sei eine Erfindung der Medien, um Ebel zu diskreditieren. Nach den damaligen Angaben Bradlers sollte es lediglich ein Gutachten geben, das sich mit dem Geisteszustand befaßt. Aus diesem Gutachten zitierte er:

"Aus psychischer Sicht ergibt sich lediglich eine mäßiggradige Einengung der Denkinhalte auf seine diversen Rechtsbegehren, deren Gegenstand der weitere Erhalt von Bezügen als "Beamter des Deutschen Reiches" ist. Hier deutet sich eine Neigung zu einer zwanghaften Persönlichkeitsstruktur ohne Krankheitswert an."

(http://f24.parsimony.net/forum61765/messages/2971.htm, Backup)

Im selben Beitrag verweist Bradler auch darauf, daß es kein Gutachten gebe, welches Ebel Schuldunfähigkeit attestiert.

Auch "Reichstagspräsident" Samter stellte sich jedenfalls bis Ende 2001 schützend vor seinen "Chef" und gab an, alle Behauptungen bzgl. der "Geschäftsunfähigkeit" Ebels aufgrund derer dieser "nicht zur Verantwortung gezogen werden könne" würden"wider besseres Wissen" getätigt.

Im Zuge einer "Palastrevolution" Ende September 2001, die zur Spaltung der "Ur-KRR" führte, offenbarte Bradler der staunenden Öffentlichkeit die volle (?) Wahrheit über Wolfgang G. G. Ebel (http://f24.parsimony.net/forum61765/messages/6064.htm; Backup):

"Wie bekannt ist, wurde Herrn Ebel in Medienberichten unterstellt, ihm sei durch ein nervenärztliches (forensisches) Gutachten attestiert worden, daß er an einer Form von Schizophrenie bzw. einer Wahnsymptomatik leide. Angeführt wird ein entsprechendes Gutachten des Instituts für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin vom 03.08.1987 zum Aktenzeichen 61S87-Os/St, welches für das Verfahren 54/I P Js 1097/87 eingeholt wurde.

Nach diesem Gutachten sind die Schreiben des Herrn Ebel als Ausdruck seiner Krankheit zu bewerten, für die er strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden könne, da eine Aufhebung der Fähigkeit zu einsichtsgemäßem Handeln gemäß § 20 StGB anzunehmen sei.

Zwar stellt ein weiteres, am 19.06.1988 von Prof Dr. med. Ulrich Vogt des Krankenhauses Berlin Moabit angestelltes Gutachten fest, daß nur eine mäßiggradige Einengung seiner Denkinhalte festzustellen sei, sich aber diese vor dem Hintergrund einer zwanghaften Persönlichkeitsstruktur ohne Krankheitswert abzeichnen.

Unter Angabe dieses vorigen Gutachtens (vom 03.08.1987) wurden alle Verfahren gegen Herrn Ebel eingestellt"

Ebel selbst bestreitet weiterhin, daß er schuldunfähig sei. So ist auch in diversen Presseberichten zu lesen, daß er angeblich Gutachten besitze, die ihn gerade nicht als verrückt bezeichnen. In einer Verlautbarung vom 18. Januar 2004 gibt Ebel auf Seite 8 andererseits bekannt (sofern dies überhaupt verständlich ist), daß sich am 08.11.2000 auf das o.g. Schuldunfähigkeitsgutachten des Instituts für Forensische Psychiatrie ein Kriminaloberkommissar "Herr L" vom "Landeskriminalamt Berlin - LKA 5142" berufen habe bzw. dieses angewendet habe. Die Passage ist deshalb so schwer verständlich, weil sich dort ein einziger Satz über sagenhafte 35 Zeilen zieht!
Jedenfalls droht der "Reichskanzler" in der Verlautbarung allen, die ihn als schuldunfähig bezeichnen, Strafverfahren wegen "Raubes" seiner "Menschenrechte" an.

Von Ebels Schuldunfähigkeit ging offensichtlich auch die Staatsanwaltschaft Mühlhausen bei einer Verfahrenseinstellung im Juni 2004 aus.
Mitte 2004 versuchten die "KRRler" auf einem neuen Weg, eine "Legitimation" zu erhalten. So rief man die eigenen "Reichsbürger" dazu auf, gegen "Reichskanzler" Ebel Strafanzeige zu erstatten. Werde gegen ihn kein Verfahren eingeleitet, so die "Drohung" an die Staatsanwaltschaften, müsse man davon ausgehen, daß Ebel tatsächlich "Reichskanzler" sei.
Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen reagierte am 24.06.2004 auf die Strafanzeige eines "KRRlers" gegen Ebel wegen Betrugs mit der Mitteilung, daß das Verfahren gemäß § 170 Abs. 2 StPO eingestellt worden sei (Az.: 101 Js 52492/04). Begründung: "Eine psychiatrische Begutachtung des Beschuldigten Ebel ergab bei diesem eine krankhafte seelische Störung (Schizophrenie)". Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen meint daher: "Seine Aktivitäten für die sogenannte 'kommissarische Reichsregierung' sind Ausprägungen seiner geistigen Erkrankung, so dass eine Schuldunfähigkeit gemäß § 20 StGB gegeben ist".

Dies liest sich wie ein Zitat aus dem o.g. Gutachten des Instituts für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin vom 03.08.1987.

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3. Die "Ämter" des Wolfgang G. G. Ebel

Welche Ämter Wolfgang G. G. Ebel inne zu haben glaubt, ist undurchsichtig. Fest steht, daß er sich bereits seit einer Weile mit einem schönen Titel schmückt: "Dr. h.c. jur.". Diesen will er (wie auch den Orden "Pour le Mérité") vom "Generalkonsulat des Deutschen Reiches in Österreich" am 28.01.2004 verliehen bekommen habe.

Ursprünglich bezeichnete sich Ebel ausschließlich als "Generalbevollmächtigter des Deutschen Reiches", was aus nur ihm verständlichen Gründen die Ämter des "Reichskanzlers" und des "Reichspräsidenten" einschloß.

Über die weitere Entwicklung herrscht Unklarheit. Nach Angaben seines damaligen "Presseamtes" in der Person des "Ministerialdirektors" Uwe Bradler im Mai 2001 hatte Ebel das Amt des "Generalbevollmächtigten für das Deutsche Reich" vor "geraumer Zeit" niedergelegt (http://f24.parsimony.net/forum61765/messages/2971.htm; (Backup))...

"Es ist immer wieder interessant, daß man gegen eine fast 100 Mann starke Regierung nichts machen könne, weil Herr Ebel, der schon seit geraumer Zeit nicht mehr Generalbevollmächtigter für das Deutsche Reich ist, angeblich schuldunfähig ist."

... und nur noch die Posten des "Reichskanzlers", "Reichsgerichtspräsidenten" und des "Verkehrsministers" inne.

Auf den ersten Blick wird dies durch eine Verlautbarung Ebels vom 18.01.2004 bestätigt. Auf Seite 5 gibt er bekannt, daß sich der "Generalbevollmächtige" mit Wirkung zum 09.11.2000 und 11.08.2001 "aufgelöst" habe (die unterschiedlichen Zeitpunkte "erklären" sich damit, daß Ebel die Wirkung der Auflösung "zweigeteilt" hat: die erste Auflösung hatte nur Wirkung für "Ernennung und Genehmigung" von "Reichspräsidenten" und "Reichskanzler", die zweite für den gesamten Rest der "Regierung" - der dann zum Großteil "entlassen" wurde).

Allerdings ist zuvor auf Seite 1 folgendes zu lesen:

"Der (...) für eine Übergangszeit reichsgesetzlich in Handlung für den fehlenden Reichspräsidenten zum Aufbau der Reichsverwaltung und zur Errichtung eines kommissarischen Gesamtministeriums oder kommissarischen Reichsregierung genehmigte Generalbevollmächtigte für das Deutsche Reich hat mit Wirkung zum 19.01.2004 (...)"

Einem Pamphlet des o.g. Kawi Schneiders zufolge fand im Januar 2006 am "Reichsgericht" in Berlin ein "Lehrgang" statt, geleitet von Ebel als "Gerichtspräsident" (Screenshot). Also dürfte Ebel auch den Posten des "Präsidenten" des "Reichsgerichts" innehaben.

Ebenfalls aus dem Januar 2006 stammt eine "Amtliche Bekanntmachung des Reichskanzlers", die auf einer Internetseite seiner "KRR" zu finden war. Unterzeichnet ist diese u.a. mit: "Der Staat 2tes Deutsches Reich, Der Amtsverhältnisträger des zeitweiligen Reichsorgans Kommissarische Reichsregierung, Der Reichskanzler, Der Amtsverhältnisträger des ständigen Reichsorgans Reichsministerium für Transport-, Umweltschutz-, Energie- und Verkehrswesen, Der Reichsminister Das Reichsland Freistaat Preußen Der Amtsverhältnisträger des zeitweiligen Reichslandesorgans Kommissarisches Staatsministerium Der Ministerpräsident und Landesminister Die Provinzen Brandenburg und Stadtgemeinde Berlin Der Amtsverhältnisträger des zeitweiligen Provinzialorgans Kommissarisches Oberpräsidium Der Oberpräsident Der Kommunalverband Gebietskörperschaft von Groß-Berlin Der Amtsverhältnisträger des zeitweiligen Kommunalorgans Kommissarischer Magistrat in Groß-Berlin (...) Der Staatsbürger, Staats- und Reichsbahnbeamte des Staates 2tes Deutsches Reich, Dr. h. c. jur. Wolfgang Gerhard Günter E b e l".

Die vollständige Liste finden Sie als Screenshot hier.

In einem Interview mit dem Magazin sternTV, das am 28. Februar 2007 ausgestrahlt wurde, antwortete Ebel allerdings auf die Frage, welche Ämter er persönlich ausübe:

"Zwei. Der Reichskanzler und zum anderen (...) der Reichsminister für Transport-, Umweltschutz-, Energie- und Verkehrswesen".

Gerüchten zufolge soll Ebel übrigens mit seinem 65. Geburtstag im Januar 2004 "in den Ruhestand versetzt" worden sein und den Posten als "Reichskanzler" an einen Dr. Kohl übertragen haben. Dagegen sprechen die auch nachher noch von Ebel vorgenommenen Verlautbarungen als "Reichskanzler" u.a. Es dürfte sich daher um Gerüchte im Rahmen einer weiteren Abspaltung ehemaliger Ebel-Anhänger handeln.

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"Exilregierung Deutsches Reich"

Am 08.05.2004 wurde in Hannover eine neue "Reichsregierung" gegründet, die sich "Exilregierung Deutsches Reich" nennt. Zunächst konnte man vermuten, sie sei deshalb "Exil-Regierung", weil "Reichsbürger" der Bundesrepublik "exterritorial" gegenüber stehen sollen. Zwischenzeitlich fand sich im "Reichsforum" Uwe Bradlers, dem ehemaligen "Pressesprecher" der "Ur-KRR", jedoch die Behauptung, die "Regierung" habe ihren Sitz tatsächlich "im Ausland". Dies mutet merkwürdig an, da sich der "provisorische Amtssitz" der "Exilregierung" bei "Reichskanzler" Norbert R. Schittke in Hildesheim befindet (Bild).

Die "Gründungsveranstaltung" hatte Norbert Schittke einberufen. Anwesend waren u.a. auch Uwe Bradler und Ralf Thomaier, die laut "Sitzungsprotokoll" im weiteren Verlauf am "Vorstandstisch" Platz nahmen (neben 6 anderen "Reichsbürgern"). Thomaier hatte im März 2003 u.a. als "Praesident des Deutschen Reiches" von sich Reden gemacht und behauptet, eine "AG 'Deutsches Reich'" mit einem Grundkapital von 200.000 US-$ in Nevada gegründet zu haben. Gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen Thomaier war Ralf Thomaier im Vorstand eines Vereins namens "Neues Wirtschaftswunder" (Screenshot). Bei den Partnern des "Neuen Wirtschaftswunders" tauchten in der Rubrik "Wir machen mit" Anfang September 2004 mit Silvio Zimmermann (Screenshot) und Erwin Dennl (Screenshot) zwei Namen auf, die ebenfalls im Protokoll der "Gründungsveranstaltung" der "Exilregierung Deutsches Reich" zu finden waren. E. Dennl wurde auf den Seiten des "Neuen Wirtschaftswunders" - von denen im Mai 2005 nur noch eine Startseite existierte (Screenshot) - zudem als "Mitbegründer" bezeichnet (Screenshot). Thomaier wurde im übrigen auch auf den Internetseiten von "New Utopia" als "Consulate" für die USA, Kalifornien erwähnt (Screenshot). Zu New Utopia siehe auch hier.

Mit dieser "Exilregierung" koppelte Uwe Bradler sich und seine "Reichsregierung" scheinbar endgültig von einer angeblichen "Ermächtigung" bzw. Abhängigkeit von den USA ab und nahm ihr somit den größten "Makel" in den Augen der rechtsextremen Zielgruppe. Die "Exilregierung" habe sich nämlich "gemäß internationaler Gesetzgebung" konstituiert. In einem (laut Dateieigenschaften) von Otwin Malinowski erstellten "Thesenpapier" (das als Word-Dokument im Internet veröffentlicht wurde) wurden die USA auch nicht mehr als Empfänger von Einschreiben-Rückscheinen auf Grundlage einer Phantasie-BK/O erwähnt. Vielmehr wurde den USA eine "verbrecherische Okkupationspolitik" vorgeworfen, welche "rücksichtslos" fortgesetzt werde. Daher erübrige sich auch ein Friedensvertrag mit den USA. Offensichtlich sollte diese "Regierung" von Beginn an durch solche amerika-kritischen Aussagen auch für Rechtsextreme interessanter gestaltet werden. Doch wurde diese Linie nicht konsequent durchgehalten. Anschaulich gezeigt hat sich dies bei der peinlichen Fälschung einer sog. "Diplomatique Note", mit der angeblich die USA die Anerkennung der "Reichsregierung", "die absolute Exterritorialität" des jeweiligen Inhabers ebenso wie die volle Handlungsfähigkeit "in allen Sachen, in allen Dingen" bestätigten (-> siehe dazu hier).

Bradler verdeutlichte die versuchte Anbiederung an rechtsextreme Kreise im Gästebuch der "Regierungsseite". Dort schrieb er:

"Eine Exilregierung ist völkerrechtlich eher legitimiert als eine kommissarische Regierung, der ja immer der Makel angehaftet hatte, von den Alliierten entweder "eingesetzt" oder zumindest genehmigt worden zu sein. Die Exilregierung kann hier für sich in Anspruch nehmen, keinen Restriktionen oder Bevormundungen durch irgendeine sog. Siegermacht zu unterliegen. Daher wurde auch bewußt diese Form der Regierung gewählt."

(Screenshot)

Doch dies war nicht der einzige Anhaltspunkt für eine unverhohlene Ausrichtung nach "rechts".

Die "Exilregierung" forderte in ihrem ersten Thesenpapier nicht die Grenzen von 1937. Sie stand darin sogar auf dem Standpunkt, daß, wer die Forderung nach den Grenzen von 1937 erhebe, "bewußt oder unbewußt gegen jedes geltende Recht, möglicherweise sogar in böswilliger Absicht" handele; er stempele sich quasi zum "Landesverräter". Stattdessen wollte man die Grenzen vom 31.07.1914 (da der Versailler Vertrag als "Diktat" ungültig sei) oder die vom 31.08.1939 ("Geht man von der Rechtsverbindlichkeit des Versailler 'Vertrags' (Diktates) aus"). In der "Neujahrsansprache 2005" des "Reichskanzlers" Schittke wird jedoch wieder auf die Grenzen vom 31.12.1937 abgestellt. Auf den "Informationsseiten" der Exilregierung findet sich allerdings die "Freie Stadt Danzig" als Teil des Reichsgebietes (-> siehe dazu Wikipedia). Und auch in der ZDF-Sendung "Mona Lisa" vom 30. Januar 2005 war aus dem Munde des "Pressesprechers" Bradler zu hören: "Momentan sind wir (...) erstmal froh, wenn wir die Grenzen von '37 haben. Das ist, wie man so schön sagt, der Spatz in der Hand. Die Taube auf dem Dach wären dann die Grenzen von 1914." In einem Bericht zur "Geburstagsfeier" der "Exilregierung" am 07.05.2006 hieß es schließlich, "Reichsinnenminister" Otwin Malinowski habe "über die durch einen Friedensvertrag auszuhandelnden Grenzen des Deutschen Reiches vom Stand August 1914 (gemäß ‘Bismarck-Verfassung’ von 1871, die ‘Weimarer Verfassung’ von 1919 verwerfend)" berichtet (Screenshot).

Die "Exilregierung" ist sich - wie aufgezeigt - hinsichtlich der Bewertung des Versailler Vertrages nicht ganz sicher. Daher bietet man zunächst beide Sichtweisen an. So vergrault man niemanden.

Zum Versailler Vertrag ist an dieser Stelle lediglich folgendes anzumerken:

Zwar trifft es zu, daß die Ratifizierung des Versailler Vertrags unter außenpolitischem Druck erfolgte. Doch ist er deshalb nicht als unwirksam angesehen worden. Dies zeigt z.B. die Vorschrift des Art. 178 Abs. 2 WRV, nach der Bestimmungen des in Versailles unterzeichneten Friedensvertrages durch die Verfassung nicht berührt würden. Außerdem hat das Deutsche Reich den damals neu gegründeten polnischen Staat ebenso wie die übrige Völkergemeinschaft anerkannt und die mit den Gebietsabtretungen verbundenen staatsangehörigkeitsrechtlichen Regelungen akzeptiert (Quelle). Und auch für die "Exilregierung" stellt die Weimarer Verfassung angeblich die einzig gültige Verfassung dar.

Gleichzeitig fordert die "Exilregierung" das "Annulieren der Kriegsschuldlüge" und beklagt "die gewollte Reduzierung des IQ der Jugend des gesamtdeutschen Staatsvolkes" sowie das "Importieren fremder Kulturen und Glaubensrichtungen ohne Rücksicht gegenüber der christlichen Kirche" und das "Anwerben ausländischer, angeblich besser ausgebildeter Arbeitskräfte".

So offen ausländerfeindlich ist bisher noch keine "Reichsregierung" aufgetreten. Dazu paßt ein Beitrag, der Anfang Mai 2005 im "Reichsforum" veröffentlicht wurde. Darin wurden Ausländer menschenverachtend als undefinierbares "Gesindel", "Abschaum", "Geschmeiß" und letztlich "Dreckspack" bezeichnet. Der Verfasser des Beitrags gab seinem Wunsch Ausdruck, die "Exilregierung" möge "sehr bald das Richtige" tun (Screenshot).

Das oberste Ziel der "Exilregierung" laut Gründungsprotokoll lautete:

"Anmeldung und Eintragung einer gültigen funktionstüchtigen Exilregierung DEUTSCHES REICH".

Was damit konkret gemeint ist, bleibt unklar. Eventuell möchte man einen Verein gründen. Ein solches Ziel verfolgte Schittke bereits Ende 2003 mit einem "Förderverein Deutsches Reich".

Die "Rechtsgrundlagen" der neuen "Regierung" entsprechen ansonsten zu weiten Teilen denen der übrigen "KRRs". Wie wenig "Kompetenz" hinter dieser "Regierung" steckt zeigt schon die Tatsache, daß man im eigenen Thesenpapier liebend gerne mal den "§ 146 GG" zitiert oder von "§ 25 GG" und "§ 38 GG" schreibt.

Noch nicht ganz sicher war man sich auf der Gründungsversammlung bei der Frage der Staatsform des "Deutschen Reiches". Eine Mehrheit der (26) Anwesenden entschied sich für "eine Demokratie mit Repräsentanz eines Kaisers oder Königs der Erbfolge entsprechend". Allerdings möchte man vorher noch den "Ewigen Bund deutscher Fürsten" befragen - ein Hirngespinst, das sich auch bei Horst Mahler zeigt. Ein weiteres Beispiel dafür, daß das Bekenntnis dieser "Exilregierung" zur Weimarer Verfassung nichts wert ist. Dort heißt es nämlich in Art. 109 Abs. 2:

"Öffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben. Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden."

(Die WRV im Volltext.)

Inzwischen hat sich die "Exilregierung" auch von den in Art. 3 WRV festgelegten Reichsfarben verabschiedet. Nicht mehr "schwarz-rot-gold" ist Trumpf, sondern - wen wundert es - "schwarz-weiß-rot". Dies diene angeblich der besseren Sichtbarmachung der Distanz zur Bundesrepublik Deutschland. Denn, so Uwe Bradler in einer Mitteilung, angeblich hätten sich viele Deutsche von der "Reichsregierung" abgewendet, weil sie meinten, in den Farben schwarz-rot-gold stecke die "Willkür der Alliierten bzw. der von diesen eingesetzten Vasallen" (Screenshot). Welche "Deutsche" solche Formulierungen wählen, dürfte jedem klar sein.

Der von der "Exilregierung verwendete "Reichsadler" sieht nun ebenfalls reichlich gerupft aus, wahrscheinlich auch in der Hoffnung, zukünftigen Verfahren wegen widerrechtlicher Verwendung des bundesdeutschen Staatswappens zu entgehen. "Hauptkritikpunkt" beim alten "Reichsadler" war für die "Exilregierung" übrigens dessen "sechseckige Form". Ist es zu weit hergeholt, wenn man sich hier an Goebbels Äußerungen zur "Judenrepublik" erinnert fühlt?

Daß die offene Anbiederung der "Exilregierung" an Rechtsextremisten aufgeht, zeigt ein Forenbeitrag vom 3. September 2004. Darin heißt es mit Blick auf die Ebel-"KRR":

"Auch ich habe mir bei meinem Wunsch, einen Reichsbürgerausweis (der von mir bevorzugte Namen) zu besorgen, die Indernetzseiten von Herrn Ebel und von Bradel angesehen.
Es kann aber wirklich nur eine Frage von 15 Minuten sein, um bei Herrn Ebel den schleimenden Vasallenknecht von BRD und VSA(Vereinigte Staaten von Amerika) zu erkennen, der einem mit seinen juristischen Darlegungen eigentlich nur eine exklusivere Variante des deutschen Besatzerstaates anbietet.
Wer seinen Volksgenossen ernsthaft schmackhaft machen will, in Zukunft eben Personal eines völkerrechtswidrig beschlagnahmten Deutschen Reiches, anstatt der BRD zu sein, der arbeitet bewußt, aus Dummheit oder Geltungssucht genau unserer Hauptsiegermacht und deren gedungenen BRD-Volksverrätern in die Hand.
"

(Screenshot)

Warum sich dieser Mensch gerne "Reichsbürger" nennt, könnte mit den hier nachzulesenden Fakten zu tun haben.

Bradler bedankte sich für diesen Kommentar und nutzte die Gelegenheit, um Ebel quasi als Marionette der USA darzustellen, die "heute noch das Märchen vom bösen Onkel Hitler, der einfach mal so, wie er es angeblich bereits in 'Mein Kampf' beschrieben und angekündigt haben soll, angefangen hat, die Welt zu erobern" glaube (Screenshot). Im weiteren Verlauf zitierte Bradler u.a. aus den indizierten "Geheimgesellschaften" Jan van Helsings.

Daß Bradler da mal eben die Theorien lächerlich macht, die er noch wenige Monate zuvor mit Zähnen und Klauen verteidigte, störte ihn nicht. Er behauptete an anderer Stelle sogar, auf Herrn Ebel hereingefallen zu sein (siehe dazu hier).

Im September 2008 wurde auf der Internetseite der "Exilregierung" das neue Kfz-Kennzeichen der "Exilregierung" vorgestellt. Inzwischen macht man sich jedoch gar nicht mehr die Mühe, eigene Kennzeichen herzustellen. Vielmehr erhalten die "Reichsbürger" einen Aufkleber, mit dem bei den neuen Euro-Kennzeichen das EU-Emblem am linken Rand des Nummernschilds überklebt werden soll. Selbst solche Kleinigkeiten nutzt die "Exilregierung", um offen ihren Antisemitismus zu präsentieren, indem das EU-Emblem als "goldener 12 Judensternekranz" bezeichnet wird (Screenshot).

All dies zeigt, daß sich die "Exilregierung" und dabei insbesondere Uwe Bradler, unverholener als jede andere "Reichsregierung" bei der Zielgruppe der Rechtsextremisten anbiedert.

Daher erschien es nur konsequent, daß sie ins Visier des niedersächsischen Verfassungsschutzes geriet. Dies ging u.a. aus einem Bericht der "Hannoversche Allgemeine Zeitung" vom 28.03.2005 hervor. Ihm war zu entnehmen, daß das niedersächsische Landesamt die "Exilregierung" - von deren Gründungsmitgliedern ein Drittel aus Niedersachsen kommen soll - als "durchaus rechtsextrem" bewertet. Diese Einschätzung teilt auch der sächsische Verfassungsschutz, wie man einem Bericht der taz vom 12.04.2005 entnehmen kann.

Am 17.04.2005 berichtete das ZDF-Magazin "Mona Lisa" erneut u.a. über die "Exilregierung". Der Beitrag wartete mit interessanten Dokumenten auf, u.a. ein Schreiben des "Reichskanzlers" Norbert Schittke an das Bundeskanzleramt, in dem die Machtübergabe gefordert und behauptet wird, es stünde eine "Elitetruppe" bereit, um notfalls den Machtwechsel "auch blutig umzusetzen". Eine Mitarbeiterin des niedersächsischen Verfassungsschutzes stellte fest, daß es "fremdenfeindliche und antisemtische Töne" gebe, letztlich "ein ganzes Bündel von verfassungsfeindlichen Aussagen". Alles zwar nichts Neues, aber es scheint, als würden die Behörden die "KRRs" bzw. hier die "Exilregierung" nun endlich auch als Gefahr erkennen. In diesem Zusammenhang erwähnenswert ist der offene Gewaltaufruf eines "Bürgers mit RPA" (also eines "Bürgers mit Reichspersonenausweis") im Forum der "Exilregierung": "Wenn wir uns nicht endlich bewaffnen und son paar von der Richter- und Justizmafia an die Wand stellen, nimmt uns doch keiner ernst" (Screenshot).

Eine für den 18. Juni 2005 geplante Veranstaltung der "Exilregierung" in Hessen wurde durch den Einsatz starker Polizeikräfte verhindert, wie aus einer Presseerklärung des Polizeipräsidiums Nordhessen hervorgeht. Der Saal in dem als Veranstaltungsort auserkorenen Landhotel sei unter einem falschen Vorwand (Vortragsveranstaltung zum Thema "Römisches Reich") angemietet worden. Als der Hotelier von den Hintergründen der laut Presseerklärung "rechtsgerichteten Gruppierung" erfuhr, habe er die - größtenteils über 50 Jahre alten - "Reichsbürger" aufgefordert, seine Räumlichkeiten zu verlassen.

Interessant ist ein Blick ins Impressum der "Infoseite der Exilregierung". Als Verantwortlicher wird dort ein gewisser Juan Maler aus "Bueonos Aires" genannt (Schreibfehler auch im Original; Screenshot). Wahrscheinlich ist es nur eine zufällige Namensgleichheit, doch nach Informationen des IDGR ist "Juan Maler" das Pseudonym für Reinhard Kopps. Dieser war im Dritten Reich bei der Deutschen Abwehr, dem NS-Geheimdienst, tätig und flüchtete nach dem Zweiten Weltkrieg nach Argentinien. Der IDGR bezeichnet ihn als "Vertreter des esoterischen Nationalsozialismus". Allerdings soll dieser "Juan Maler" bereits im September 2001 gestorben sein.

Den o.g. Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" bestätigte der am 27.04.2006 veröffentlichte Niedersächsische Verfassungsschutzbericht 2005. Denn dort findet die "Exilregierung" erstmals Erwähnung. Auf Seite 15 heißt es zunächst wenig schmeichelhaft:

"Einen eher obskuren Charakter hat die Exilregierung Deutsches Reich, die der Bundesrepublik Deutschland die Rechtmäßigkeit abspricht und deren Mitglieder sich als Staatsangehörige des juristisch angeblich fortbestehenden Deutschen Reiches mit “eigenen“ Ausweispapieren „legitimieren“. Von Bedeutung für die Entwicklung des Rechtsextremismus ist die Organisation nicht."

Ab Seite 65 widmet sich der Bericht etwas ausführlicher der "Exilregierung". Norbert Schittke wird dort als Initiator namentlich genannt. Der "Berliner Rechtsextremist" Wolfgang Ebel wird ebenso erwähnt wie Uwe Bradler. Zu den Zielen der "Exilregierung" heißt es u.a.:

"Die Exilregierung hat sich die Reorganisation des Deutschen Reiches und die Ablösung des „Provisoriums BRD“, d.h. die Überwindung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, zum Ziel gesetzt."

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes scheint die Mitgliederzahl der "Exilregierung" erheblich geringer, als diese in ihrer Eigenwerbung behauptet:

"Derzeit werden von der Gruppierung ca. 80 Personen als Mitglieder geführt. Der aktive Kern besteht aus etwa zehn Personen."

In Anbetracht des Andrangs bei den "Informationsveranstaltungen" die u.a. vom ZDF dokumentiert wurden, darf an diesen Zahlen jedoch gezweifelt werden. Ebenso übrigens an der Einschätzung, die "Exilregierung" sei nicht von Bedeutung für die Entwicklung des "Rechtsextremismus" (siehe z.B.: Bradler, Baumgärtner und den IDGR-Artikel von Frank Schmidt). Die "Exilregierung" trägt dazu bei, den "Reichsgedanken" zu verbreiten, der in aktuellen Prozessen gegen Rechtsextremisten (vor allem beim Zündel-Prozeß) von Rechtsextremisten wie Horst Mahler, Manfred Roeder u.a. als eines der wichtigsten "Argumente" verwendet wird.

-> Niedersächsischer Verfassungsschutzbericht 2005, Pressefassung (PDF-Datei, ca. 921 kb)

Auch der Verfassungsschutzbericht Sachsen-Anhalts erwähnt in seiner 2005er-Ausgabe erstmals die "Exilregierung". Hier findet sich eine andere Mitgliedszahl: "deutlich über 100 Personen" können der "Exilregierung" in Sachsen-Anhalt zugerechnet werden, heißt es auf Seite 47 des Berichts. Daneben wird festgestellt, die "Exilregierung" verfolge "Ziele, die gegen die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte und gegen den Gedanken der Völkerverständigung gerichtet sind. Dabei dient ihr die Leugnung der Kriegsschuld Deutschlands zu einer positiveren Darstellung des Nationalsozialistischen Regimes". Im Gegensatz zum niedersächsischen Verfassungsschutzbericht 2005 enthält der Bericht aus Sachsen-Anhalt keinerlei Wertung der "Exilregierung" als "obskur". Daß das "rechtsextremistische Personenpotenzial" in Sachsen-Anhalt im Berichtszeitraum zugenommen habe, sei vor allem auf die erstmalige Berücksichtigung der "Exilregierung" zurückzuführen, ist auf Seite 5 des Berichts zu lesen.

-> Sachsen-Anhaltischer Verfassungsschutzbericht 2005 (PDF-Datei, ca. 410 kb)

Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2006 (veröffentlicht im Juli 2007) heißt es ab Seite 53 zur "Exilregierung" unter anderem:

"Die „Exilregierung“ wird von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet, da sich die von ihr ausgehenden Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische
Grundordnung richten. In den Verlautbarungen der „Exilregierung“ finden sich zahlreiche Belege für die Nichtanerkennung der völkerrechtlich akzeptierten Grenzziehung zwischen Deutschland und Polen beziehungsweise Russland. Dies geht einher mit der Forderung nach einer Geltendmachung angeblich noch bestehender Gebietsansprüche Deutschlands. Über die Kritik an Vertretern von Politik und Behörden hinaus lehnt die „Exilregierung“ das Gesamtsystem der freiheitlichen demokratischen Grundordnung ausdrücklich ab.
Sie verfolgt Ziele, die gegen die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte und gegen den Gedanken der Völkerverständigung gerichtet sind. Dabei dient ihr die Leugnung der Kriegsschuld Deutschlands zu einer positiveren Darstellung des Nationalsozialistischen Regimes.
"

-> Sachsen-Anhaltischer Verfassungsschutzbericht 2006 (PDF-Datei, ca. 426 kb)

Auch im Verfassungsschutzbericht 2007 (veröffentlicht im Juni 2008) wird die "Exilregierung" wieder erwähnt. So heißt es auf Seite 4:

"Zur Kategorie "Sonstige Personenzusammenschlüsse" zählt die "Exilregierung Deutsches Reich". Sie verlor im Berichtsjahr zwei Drittel ihrer Mitglieder und ist dadurch Hauptursache für den Rückgang der Gesamtzahl an Rechtsextremisten."

Auf Seite 63 ist sodann zu lesen:

"Im Berichtsjahr war ein deutlicher Mitgliederschwund erkennbar. Die für Sachsen-Anhalt genannten und im Internet veröffentlichen „Meldestellen“ existieren nicht mehr. Auch konnten 2007 in Sachsen-Anhalt keine Veranstaltungen der Gruppierung festgestellt werden.

Die „Exilregierung“ führte – zumeist in Thüringen – weiterhin ihre monatlichen „Kabinetts-/Arbeitssitzungen“ durch. Hierfür wurde ausschließlich über das Internet geworben. Im Durchschnitt nahmen etwa 20 bis 30 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Als Leiter der Zusammenkünfte fungierte regelmäßig „Reichskanzler“ Norbert SCHITTKE (Hildesheim/Niedersachsen). Da unter den Anwesenden zumeist neue Interessenten waren, stellte der „Reichskanzler“ in seinen Ausführungen immer wieder „Arbeit“ und Zielsetzungen der „Exilregierung“ dar. Dabei wurden auch die neuesten Versionen von Ausweisdokumenten vorgestellt. Hin und wieder übernahm auch „Reichspräsident“ Wolfgang BENSCH (Berlin) das Wort. Dabei hielt er Vorträge von eher esoterischem Inhalt."

-> Sachsen-Anhaltischer Verfassungsschutzbericht 2007 (PDF-Datei, ca. 403 kb)

Der Verfassungsschutz Thüringens erwähnt die "Exilregierung" in seinem Bericht 2007 folglich ebenfalls, mißt ihr letztlich jedoch für den Rechtsextremismus in Thüringen keine Bedeutung bei. Unter anderem heißt es:

"Die „Exilregierung“ entfaltet Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. In den Verlautbarungen der „Exilregierung“ finden sich zahlreiche Belege für die Negation der völkerrechtlich akzeptierten
territorialen Grenzen Deutschlands. Sie verfolgt somit Ziele, die gegen den Gedanken der Völkerverständigung gerichtet sind. Über die Kritik an Vertretern von Politik und Behörden hinaus lehnt die „Exilregierung“ das Gesamtsystem der freiheitlichen demokratischen Grundordnung ausdrücklich ab. (...)

Öffentlichkeitswirksame Aktivitäten der „Exilregierung“ wurden bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht festgestellt. Die „Exilregierung“ führte im Berichtszeitraum lediglich interne Treffen durch, darunter auch so genannte Kabinettsitzungen mit Bürgerinformation in der Nähe von Eisenach. Zu diesen Veranstaltungen fanden sich deutlich weniger als 50 Personen, darunter kaum Thüringer, ein. Innerhalb der rechtsextremistischen Szene Thüringens kommt der „Exilregierung“ keine Bedeutung zu."

-> Thüringer Verfassungsschutzbericht 2007, Textausgabe

Nachdem im Mai 2006 die Berufung der treibenden Kraft der "Exilregierung", Uwe Bradler, gegen eine Verurteilung wegen Volksverhetzung und wegen Besitzes von Kinderpornographie verworfen worden war (LG Magdeburg, Geschäfts-Nr.: 28 Ns 247/05), enstand zunächst der Eindruck, Bradler sei für die "Exilregierung" untragbar geworden. Als Tagesordnungspunkt für das 3. Quartalstreffen der "Exilregierung" im Jahr 2006 soll jedenfalls die "ehrenvolle" Verabschiedung Bradlers angekündigt worden sein, um den es in der Folgezeit tatsächlich immer ruhiger wurde. Der Grund hierfür: Bradler, der zeitweise von bundesdeutschen Behörden mit internationalem Haftbefehl gesucht worden war, saß für 23 Monaten in Spanien in Untersuchungshaft. In der vom "Reichs-Fernseh-Funk" präsentierten Neujahrsansprache 2007 des "Reichspräsidenten" Wolfgang Bensch wurde über das verdienstvolle Mitglied der Exilregierung kein Wort verloren. Stattdessen äußerte Bensch u.a., daß große Hoffnung bestehe "in kurzer Zeit zu Friedensvertragsverhandlungen" zu kommen und bezeichnete in diesem Zusammenhang die "Holocaust-Konferenz im Iran" als "Schritt in die richtige Richtung". Weiter sprach Bensch von der "Zuwanderung fremder Kulturen, die unsere Kultur und Gebräuche mißachten" und behauptete: "Multi-Kulti hat noch niemanden glücklich gemacht".

Anfang März 2007 teilte die "Exilregierung" auf der offiziellen Internetseite die Ernennung von Christoph Kastius zum "Verfassungsrat" mit Wirkung zum 20. Januar 2007 mit. Ob der mehrfach vorbestrafte Kastius in Sachen "Öffentlichkeitsarbeit" in die Fußstapfen des Uwe Bradler treten sollte, wurde nicht erwähnt. Stattdessen hieß es in der Mitteilung, die Ernennung habe "auf dem Gelände der russischen Botschaft" stattgefunden. Anschließend habe in der Botschaft ein Gespräch mit einem "Vertreter des Botschafters" stattgefunden. Doch damit nicht genug: auch in der schweizerischen Botschaft will man vorstellig geworden sein (Screenshot). Während die russische Botschaft eine Anfrage der "KRR"-FAQ bisher nicht beantwortete, teilte die schweizerische Botschaft mit, daß die "Exilregierung Deutsches Reich" dort keinen Termin bekommen habe "und auch keinen bekommen wird".

Jedenfalls im Spätsommer 2008 wurde allerdings deutlich, daß die "Exilregierung" und Uwe Bradler auch weiterhin zusammengehören. Bradler wurde von der "Exilregierung" erfreut in Freiheit begrüßt. Der "Reichskanzler" höchstselbst ließ es sich nicht nehmen, nach Spanien zu fliegen und Bradler in Empfang zu nehmen (Screenshot).

Im Juni 2009 erschien der Verfassungsschutzbericht des Landes Sachsen-Anhalt für das Jahr 2008. Auch diesmal wird die "Exilregierung Deutsches Reich" erwähnt, allerdings nur mit knappen neuen Zeilen. Auf Seite 63 des Berichts heißt es:

"Auch im Jahr 2008 fanden monatlich so genannte 'Bürgertreffen' und 'Kabinettssitzungen' der 'Exilregierung' statt. Seit Beginn des Jahres wurden die Protokolle derartiger Veranstaltungen auf der Homepage der 'Exilregierung' veröffentlicht. Der selbst ernannte 'Reichskanzler' Norbert SCHITTKE (Hildesheim/Niedersachsen) referierte bei den Veranstaltungen in der Regel über Themen wie 'Reichsgedanken', 'Grundlagen zum Besatzungsrecht', 'Staatsbürgerschaftsrecht' und Ausweispapiere der 'Exilregierung Deutsches Reich'."

Etwas umfangreichere Informationen veröffentlichte der Verfassungsschutz Thüringens in seinem Bericht für das Jahr 2008, der im Mai 2009 erschien. Unter anderem heißt es auf Seite 104 des Berichts:

"Die realitätsfernen Verlautbarungen der „Exilregierung“ dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier mit pseudojuristischer Akribie versucht wird, einen gesellschaftlichen Resonanzboden für rechtsextremistisches Gedankengut zu schaffen und teilweise personelle Überschneidungen zu anderen rechtsextremistischen Gruppierungen bestehen."

Letzte Bearbeitung: 08.08.2009

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"Exilregierung 2.tes Deutsches Reich"

-> siehe Ludowici, Edgar

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"Fürstentum Germania"

Begleitet von einem in der Reichsszene bis dahin unbekannten Werberummel im Internet startete Anfang 2009 mit dem "Fürstentum Germania" ein neuer Versuch einer "Staatsgründung" bzw. "Abspaltung von der BRD" (Screenshot) von Anhängern diverser Reichs(verschwörungs)theorien. Beinahe täglich wurden bis etwa Anfang April 2009 über den Internetsender "JeetTV" Live-Streams zum Fürstentum ausgestrahlt, in denen die Fürstentümler - in erster Linie das "Aushängeschild" Jessie Marsson und der Verschwörungstheoretiker Jo Conrad - ihre ganz eigene Sicht der Dinge darstellten und Neues aus dem stark renovierungsbedürftigen "Schloß Krampfer" berichteten. Das Schloß bzw. das dazugehörige Grundstück sollte das Staatsgebiet des Fürstentums darstellen. Es befindet sich in Brandenburg in der Gemeinde Plattenburg (Prignitz). Bei eBay wurde das Schloß für 69.000 EUR zum Verkauf angeboten (Screenshot). Aus einem Bericht der "Märkische Allgemeine" vom 30.03.2009 läßt sich schließen, daß offenbar bereits seit 2007, spätestens seit Anfang 2008, eine Auflassungsvormerkung (-> Wikipedia) im Grundbuch steht. Als neuer Käufer sei dort demnach "Michael Freiherr von Pallandt" eingetragen, die Umschreibung jedoch noch nicht erfolgt. In einem "JeetTV"-Livestream, vermutlich vom 04.02.2010, erklärte Jessie Marssoon an die Gemeinde Plattenburg gerichtet übrigens: "Leute, mir gehört's nicht und dem Herrn Pallandt (...) auch nicht. Überlegts weiter, wem das Schloß gehört. Viel Spaß beim Rätselraten" (siehe dazu hier).

Während sich die meisten Mitglieder des Fürstentums zwar immer wieder von den Ideen der verschiedenen "Reichsregierungen" distanzieren, ebenso von der Bezeichnung als "rechts", gibt es zahlreiche Belege dafür, daß diese Distanzierungen als Lippenbekenntnisse anzusehen sind. Insbesondere sprechen die Biographien der "führenden Köpfe" des Fürstentums sowie zahlreiche von den Fürstentümlern verwendete "Argumente" dafür, daß das Fürstentum Germania insgesamt jedenfalls am "rechten Rand" angesiedelt ist, auch wenn beispielsweise bislang (Stand: Juni 2009) jedenfalls in einschlägigen rechtsextremen Internetforen keine wirklich positive Resonanz auf das Fürstentum zu erkennen ist. Vertreter des Fürstentums sprechen der Bundesrepublik Deutschland unter Verwendung typischer Reichsregierungs-"Argumente" die Legitimität als demokratisch verfaßter Rechtsstaat ab, verbreiten Verschwörungstheorien u.a. über den "Teufel" auf dem Personalausweis (siehe dazu diesen Artikel im Rahmen der "KRR"-FAQ sowie dieses und jenes YouTube-Video). Außerdem propagieren zahlreiche Fürstentümler die sogenannte "Germanische Neue Medizin" von Ryke Geerd Hamer.

Der rbb berichtete unter anderem am 03.03.2009 und am 10.03.2009 in der Sendung "Brandenburg aktuell" über die "ominöse Politsekte". Am 10.03.2009 wurde beispielsweise über eine Bürgerversammlung in Krampfer berichtet und darüber, daß die meisten Bürger Krampfers das "Fürstentum eher kritisch" sähen.

Nach Einstellung der täglichen Live-Streams sowie Löschung bzw. Abschottung der dem "Fürstentum" zuzurechnenden Internetforen wurde es bereits ab etwa Mitte April 2009 wieder zusehends ruhiger um diese Gruppierung. Einem Bericht der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" vom 05.05.2009 zufolge, soll die Bauaufsichtsbehörde die weitere Nutzung des Schlosses untersagt und eine Räumungsfrist bis zum 15.05.2009 gesetzt haben. Einem Bericht der "Märkischen Allgemeinen" vom selben Tag ist zu entnehmen, daß vermutlich "bauliche Auflagen" nicht erfüllt wurden. Weiter ist zu erfahren, daß ein Antrag auf die neue Nutzung des Schlosses – egal ob für Wohnzwecke, als Gewerberaum oder sonstiges – hätte gestellt werden müssen. Dieser Anordnung seien offensichtlich weder der Eigentümer Michael von Pallandt noch einer der derzeitigen Nutzer des Schlosses gefolgt. Bereits am 17.04.2009 hatte die "Märkische Allgemeine" berichtet, daß die Bauaufsicht ein Anhörungsverfahren eingeleitet habe, weil es für das gesamte Grundstück keine Klärgrube gebe. Die Räumung und Versiegelung des Schlosses erfolgte schließlich am 19.05.2009. Die Bewohner leisteten Medienberichten zufolge keinen Widerstand. Allerdings berichteten u.a. die "Norddeutschen Neuesten Nachrichten" am 20.05.2009, daß sich Bewohner des Schlosses "in den Tagen zuvor andere Wohnungen in Krampfer gemietet" hätten.

Am 10.05.2009 kam es zu einem Neustart der Internetseite des Fürstentums. In einem am selben Tag veröffentlichten Video vom 07.05.2009 fabulierten Jo Conrad, der "Pressesprecher" des Fürstentums Sven Jan Switer sowie der "Volksrat" Alexander Przibill über die jüngsten Entwicklungen im Fürstentum. Unter anderem seien Vertreter des Fürstentums zum Vatikan gefahren, um die "Friedenserklärung" an den Papst zu geben. Sie hätten sogar "kurz vor der Eingangstür" des Papstes gestanden, hätten aber vor der Schweizer Garde stehen bleiben müsssen. Der Papst sei nun "in der Pflicht (...) das zu beantworten". Es bliebe ihm nichts anderes übrig, "wenn er sein Herz wirklich am rechten Fleck als Christ" habe, so Przibill. Ansonsten handele er "unmenschlich oder unchristlich". "Der "Pressesprecher" kündigte an, bei einer Räumung des Schlosses "friedlichen Widerstand" leisten zu wollen. Przibill schwadronierte darüber, daß das Fürstentum "Arbeitsplätze" in die Gemeinde bringen würde und kündigte an, daß die Bürgermeisterin Krampfers "irgendwann" sagen werde: "Eigentlich war ich ja nie richtig dagegen". Zukünftig werde es einmal pro Woche eine Sendung geben. Von Live-Streams und Diskussionen mit Kritikern wolle man jedoch nichts mehr wissen, um nicht mit "Störanrufen" belästigt zu werden. Die Live-Streams und die offenen Foren hätten für eine schlechte "Außenwirkung" gesorgt, so Przibill.

Wie die zahlreichen "Reichsregierungen", so schienen auch die Fürstentümler ihren "Bürgern" mit diversen Artikeln das Geld aus den Taschen ziehen zu wollen. Auf der am 10.05.2009 neu gestarteten Internetseite war jedenfalls bei den Zielen davon die Rede, daß nach "der ersten Anerkennung" des "Fürstentums" die Arbeit "an der Verwirklichung eigener Personenausweise, Pässe, Nummernschilder, Gesundheitskassen, etc. beendet, eigene TLDs (Top-Level-Domains) eingerichtet und der Bürger des Fürstentums mit offiziellen Dokumenten versorgt" werden sollten (Screenshot).

Das Ende des Fürstentums in der ursprünglich geplanten Form markierte schließlich ein Live-Stream mit Jessie Marsson bei JeetTV am 09.06.2009. Hierin erklärte er - offenbar eigenmächtig und wenig "basisdemokratisch", weil alles über seinen "Geldbeutel" laufe - u.a., daß aus dem Schloß in Krampfer nach dessen Räumung durch die Bauaufsichtsbehörde ein "Mahnmal" und es dem Verfall preisgegeben werden solle. Marsson selbst habe allerdings zwei neue Grundstücke gekauft, eines davon "im südamerikanischen Raum". Von dort werde zukünftig eine "Exilregierung" tätig werden. Weitere Aktivitäten des Fürstentums sind seitdem jedenfalls der "KRR"-FAQ nicht bekannt geworden. Allerdings erklärte Jessie Marsson in einem "JeetTV"-Livestream, vermutlich am 04.02.2010: "Das Fürstentum Germania ist existent. Wir sind größer geworden. Und auch schlauer", wobei er selbst jedoch - ebenfalls wie der neben ihm sitzende Moderator Jeet Liuzzi -vom Fürstentum in der Vergangenheitsform sprach ("Wir blieben friedlich", "Wir haben alles über uns ergehen lassen"). Auch Jo Conrad bezeichnete in einem Beitrag im "Freigeist"-Forum am 16.03.2010 das Fürstentum als existent. Die "Session" sei "legitim", da "weder die BRD, die EU noch der Vatikan hat innerhalb eines Jahres widersprochen" hätten (Screenshot). Diese "Ein-Jahr-nicht-widersprechen"-Frist scheint eine neue Erfindung der "Völkerrechtler" des Fürstentums zu sein. Die Tatsache, daß zum Beispiel die örtliche Bauaufsicht den angeblichen "Staatssitz" ganz einfach mal geschlossen hat, scheint Conrad zudem ebenfalls nicht weiter zu irritieren; er bezeichet die Zwangsräumung ganz einfach als "Vetreibung", die "völkerrechtswidrig" sei (Screenshot).

Um den nachfolgenden Artikel übersichtlicher zu gestalten, ist er wie folgt untergliedert:

I. Einige rechtliche Aspekte zum Fürstentum

II. Handelnde Personen und ihre Verbindungen nach "rechts"

III. Umgang mit Kritikern

IV. Das Nachfolgeprojekt: Bewusst.tv

V. Weiterführende Links

 

I. Einige rechtliche Aspekte zum Fürstentum

Die Personen und die "Argumente" rund um das Fürstentum ernst zu nehmen, fiel von Beginn an schwer. Dies insbesondere in Anbetracht des Videos von der "Gründungsvorbereitungsveranstaltung", welche im Januar 2009 stattfand.

Über den rechtlichen Hintergrund erfuhr der geneigte Zuschauer dort recht wenig. Bei dem "Fürstentum" sollte es sich um einen "basisdemokratischen Kirchenstaat" handeln, was auch immer dies bedeuten mochte. Hintergrund war vermutlich der, daß sich die Mitglieder des Fürstentums auf ihre Glaubensfreiheit berufen sollten, wenn sie Konflikte mit "der BRD" hatten. In diesem Zusammenhang äußerte das Aushängeschild des Fürstentums - ein Mann, der sich "Jessie Marsson" nennt - die Behauptung, daß in Deutschland aufgrund der Glaubensfreiheit recht viel möglich sei. So ist die Rede von Glaubensfreiheit und Religionsfreiheit und "unserem Hans Söllner", der angeblich ein Bundesgerichtshofsurteil aus dem Jahr 2007 erstritten habe, das es ihm erlaube, in seinem Garten Marihuana anzupflanzen und zu konsumieren, "weil diese Pflanze seine Religion" sei.

Eine kurze Google-Recherche zeigt, daß es diesen Hans Söllner tatsächlich gibt; er ist unter anderem Komponist. Ob er irgendwelche Verbindungen zum "Fürstentum" hat, ist allerdings unklar. Nicht zu finden war hingegen das erwähnte "Bundesgerichtshofsurteil" aus dem Jahr 2007. Stattdessen stößt man auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2000 (BVerwG, Urteil vom 21.12.2000 - 3 C 20/00; NJW 2001, 1356), das sich allem Anschein nach mit eben jenem Hans Söllner befaßt. In diesem Urteil wird jedoch ausdrücklich festgestellt, daß es vom Verbot des Cannabis-Anbaus keine Ausnahme gibt, wenn der Betroffene angibt, der Genuß von Marihuana sei Teil seiner Religionsausübung.

Zur Ergänzung: der bloße Konsum von Marihuana ist in Deutschland übrigens nicht strafbar (-> Wikipedia), der Anbau von so genanntem "Nutzhanf" ist seit 1996 unter strengen Auflagen erlaubt (Bundestagsanfrage).

In einer Erklärung, die angeblich zunächst von Jessie Marsson im Internetforum des Fürstentums veröffentlicht und dann von einem Nutzer im am 14.06.2009 "Freigeist"-Forum veröffentlicht wurde, hieß es jedoch plötzlich, ein "Kirchenstaat" sei das Fürstentum deshalb, um "so eine Art des Beichtgeheimnisses sowie aber auch des Kirchenasyls aufzubauen um so die neu zusammengeführten Familien eine neue Chance und ein besseres Umfeld zu schaffen". Marsson wollte das Fürstentum angeblich auch als Zufluchtsort für sexuell mißbrauchte Kinder verstanden wissen. (Screenshot)

Wie wenig Ahnung die Gründer des "Fürstentums" von rechtlichen Dingen haben, zeigte sich selbst für Laien sehr anschaulich, als Jessie Marsson während des o.g. Vortrags bei der Gründungsvorbereitungsveranstaltung nach ca. 8:40 Minuten unter Berufung auf den Namen "Pallandt" behauptete:

"Aufgrund dessen können wir 100%ig beweisen, daß die Pallandts, die Freiherren von Pallandt, das Familiengesetzbuch für den Kaiser geschrieben haben, welches heute noch gültig ist. Jeder deutsche Richter (...) hat einen Pallandt bei sich herumstehen. Und diese Tatsache können Sie nicht leugnen. Und Gott sei Dank haben wir den Freiherrn von Pallandt gefunden, der sich bereit erklärt hat, hier erstmal die Schirmherrschaft zu übernehmen (...)"

Allen Nicht-Juristen sei an dieser Stelle der Witz erklärt: der Standardkommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, den jeder deutsche Richter bei sich "herumstehen" hat, heißt schlicht Palandt. Er erschien erstmals im Jahr 1938. Laut Wikipedia vollzog sich die Gründungsgeschichte des Palandt in der Zeit der NS-Diktatur "auf staatliche Weisung". Erster Herausgeber des Palandt war Gustav Wilke, der jedoch vor Erscheinen der ersten Auflage bei einem Autounfall starb. Zum "Palandt" selbst steuerte Otto Palandt im übrigen lediglich das Vorwort und die Einleitung bei, die seine nationalsozialistische Einstellung dokumentiert (Quelle: Wikipedia).

Ebenfalls sehr einfach als Lüge zu entlarven war folgende Behauptung Marssons:

Der "Freiherr von Pallandt" solle nach der Gründung des "Fürstentums Germania" einen Friedensvertrag aushandeln (mit wem, bleibt dabei unklar). Sobald dies geschehen sei, müsse sich der UN-Sicherheitsrat "nach seiner eigenen Charta" auflösen. Wenn das nicht geschehe, verstoße der Sicherheitsrat nicht nur gegen "die Charta", sondern auch gegen die Haager Landkriegsordnung, HLKO. Und so ganz nebenbei werde noch eine weltweite Katastrophe ausgelöst.

Das Ganze wurde vom Publikum mit großem Applaus quittiert. Dumm nur, daß der UN-Sicherheitsrat gar keine eigene Charta hat. In der Charta der Vereinten Nationen widmet sich das 5. Kapitel dem Sicherheitsrat. Von einer Pflicht zur Auflösung ist darin nichts zu finden. Gleiches gilt für die Geschäftsordnung des Sicherheitsrates und selbstverständlich erst recht für die HLKO, die aus einer Zeit weit vor der Gründung der Vereinten Nationen stammt.

In einem Internet-Stream anläßlich des Neustarts der Internetseite des Fürstentums am 10.05.2009 war schließlich auch nicht mehr vom "Aushandeln" und von "Friedensverträgen" die Rede. Der "Volksrat" Alexander Przibill faselte dort nur noch von "Friedenserklärungen". Allerdings war auf der neu gestarten Internseite weiterhin von "Friedensverträgen" zu lesen. Diese sollten jedoch offenbar nicht vom "Freiherr von Pallandt" mit anderen Regierungen ausgehandelt werden, sondern durch "den vorläufigen Volksrat (Thomas Patzlaff, Toni Haberschuss, Alexander Przibill und Manuela Pfeiffer) [...] ausgearbeitet und für die Botschaften der meisten Staaten der Welt versandfertig gemacht" (Screenshot). Friedensverträge per Post? Wollte das Fürstentum also so vorgehen wie die Ur-"KRR" des "Reichskanzlers" Ebel: per Einschreiben-Rückschein wilde Briefe an Botschaften schicken und wenn diese nicht innerhalb von 21 Tagen antworten, gilt der Inhalt der Briefe als anerkannt (siehe dazu hier)?

Nach und nach traten übrigens bis Anfang Juni 2009 die Volksräte von ihrem Posten zurück - soweit ersichtlich mit Ausnahme des Alexander Przibill.

Wie eingangs erwähnt, sollte es sich bei "Germania" um einen "basisdemokratischen Kirchenstaat" handeln. Offenbar meinten die Fürstentümler, der Begriff "Kirchenstaat" bezeichne eine besondere Staatsform. Auf ihrer Internetseite hieß es in den FAQ jedenfalls: "Das Fürstentum Germania ist als Kirchenstaat, einer Symbiose aus Kirche und Staat gegründet worden (...) " (Screenshot). Allerdings versteht man als Kirchenstaat allgemein keine "Symbiose aus Kirche und Staat". Tatsächlich war der Kirchenstaat das weltlich-politische Herrschaftsgebiet des Papstes, das seit 756 durch die Pippinische Schenkung aus den Ländereien des Bischofs von Rom (Patrimonium Petri) entstand und bis zur Risorgimento bestand (siehe u.a. Wikipedia und Meyers Lexikon online). Der Kirchenstaat als politische Einheit sollte vor allem die Unabhängigkeit des mit absolutistischer Macht regierenden Papstes sichern. Nachfolger des Kirchenstaates ist im Übrigen der Vatikan.

Die "Verfassung" des Fürstentums bzw. deren Entwurf überraschte zunächst z.B. durch das komplette Fehlen von Grundrechten und befaßte sich in insgesamt 9 von 17 Artikeln mit verschiedenen Wahlen, Verwaltungsdetails bzw. der Ausübung von Ämtern.
Darüber hinaus enthielt sie Vorschriften wie: "Jeder Bewohner von Germania hat mit dem Vollenden des 21. Lebensjahres an einem unbestimmten Wegesrand einen Obstbaum seiner Wahl zu pflanzen, der wiederum der Allgemeinheit zugute kommen wird. Von diesen Bäumen darf sich jeder Einwohner und Besucher des Landes frei versorgen" (Artikel 10 Abs. 1; Screenshot). Artikel 8 regelte die Staatssteuer (1% des "Einkommens des jeweiligen Bewohners") und die Gebietssteuer (9% "des individuellen Einkommens"; Screenshot).

In einem rund dreistündigen Live-Stream am 17.03.2009 hieß es schließlich seitens Jessie Marssons und Sebastian Mayers, große Teile der Germania-Verfassung stammten aus der Verfassung der Schweiz - und die Schweizer seien gar nicht amüsiert, daß die Germania-Verfassung von ihren Kritikern derart verunglimpft werde. Sebastian Mayer habe die Verfassung mit geschrieben und ausgearbeitet "mit einigen Völkerrechtlern". Über die juristischen Qualifikationen Mayers erfuhr man allerdings wenig. Während des Live-Streams enstand jedoch der Eindruck, daß es mit diesen nicht weit her sein kontte, da er Nachfragen aus dem Chat auswich und noch nicht einmal in der Lage war, die für die Reichsideologen so grundlegende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1973 korrekt zu zitieren.

Da die Schweizer angeblich ihre Verfassung verunglimpft sähen, strebten sie eine "Sammelklage" an, fabulierten Marsson und Mayer weiter. Kritiker würden nicht um eine "Verhandlung in Genf" herumkommen, phantasierten sie. Man habe den Schweizern bereits die IP-Adressen von Kritikern ausgehändigt und hoffe, durch diese Zusammenarbeit der Anerkennung durch die Schweiz "ein großes Stück näher" gekommen zu sein. Belege wie immer Fehlanzeige.

Ansonsten hieß es zur rechtlichen Ausgestaltung des Staatswesens lediglich schwammig:

"Jedenfalls wurden sämtliche Voraussetzungen für die Gründung eines souveränen Staates erfüllt. Da das Schloß als Lehensgrund in der ehemals sowjetischen Besatzungszone steht, wurde bereits Kontakt zur russischen Regierung aufgenommen. Die Verfassung von Germania wurde dort vorab geprüft. Bestimmte Änderungen der Verfassung haben mit der Akzeptanz der Russen zu tun.
Daß es ein Fürstentum ist, hat damit zu tun, daß ein Adeliger mit bestimmten Voraussetzungen nötig ist. Dieser wird jedoch nicht über Germania herrschen, sondern das Fürstentum wird basisdemokratisch sein, und regionale Räte und ein Bundesrath werden jederzeit über Gesetze abstimmen können.
" (Screenshot).

Was genau es mit dem "Lehen" jedoch auf sich hatte, erschließt sich nicht. Aus dem o.g. Video der Gründungsvorveranstaltung läßt sich folgern, daß die Fürstentümler davon ausgingen, daß das Lehnsrecht heute nur noch die katholische Kirche "ausrufen" könne und zwar aufgrund "eines Gesetzes von 650". In diesem YouTube-Video (allem Anschein nach von Jo Conrad aufgenommen), in dem nach zirka 5:52 Minuten u.a. Jessie Marsson bei einer Begehung des Schlosses Krampfer zu sehen ist, behauptet Marsson (zirka Minute 6:52): "Die ganze BRD hat immer nur eins gemacht, die hat immer versucht, Schlösser, die noch Lehnsrecht haben, zu privatisieren. Damit eben das Lehensrechts nicht mehr möglich ist". Zwischenfrage Jo Conrad: "Und hier haben sie es vergessen, oder wie?" Marsson: "Ja, weil das 'ne Schule war und weil es ja wirklich (... ???) aussieht. Aber es ist ein Schloß und es hat Lehensrecht. Und das lustigste (?) an der ganzen Sache ist, daß ausgerechnet (?) auf diesem Lehensgrund, wo dieses Schloß steht, auch der Deutsche Reichstag ist. 'Dem deutschen Volke' steht auf der Lehensnummer von diesem Schloß".

Ein Schloß hat ein Lehensrecht? Durch eine "Lehensnummer" (was auch immer das sein mag) wird festgelegt, wo der "Deutsche Reichstag" ist? "Die BRD" hat Schlösser "privatisiert", um das Lehensrecht abzuschaffen? Ganz offensichtlich störte sich niemand an diesem haarsträubenden Unsinn. Und letztlich zeigte sich nach der Räumung des Schlosses durch die zuständige Bauaufsichtsbehörde (der Bundesrepublik Deutschland), daß man es beim Fürstentum mit dem Lehen dann doch nicht so genau nahm. Jedenfalls erklärte Jessie Marsson in einem Live-Stream am 09.06.2009, ausgestrahlt bei JeetTV, daß er auf einem Grundstück "im südamerikanischen Raum" eine Exilregierung des Fürstentums ins Leben rufen werde.

Daß es Lehen in Deutschland nicht mehr gibt, schien beim "Fürstentum" überdies von Beginn an niemanden zu interessieren. Auf Brockhaus.de heißt es zu diesem Thema u.a.:

"Mit dem Aufkommen der Söldner- statt der Ritterheere, dem Eindringen Bürgerlicher in die Verwaltung und besonders dem Vordringen der territorialen Herrschaftsbildung im Spätmittelalter ging die Bedeutung des Lehnswesens zurück. Allerdings bot es durch das Einbehaltungsrecht heimfallender Lehen, durch die Verpflichtung der Vasallen auf ein Territorium oder über die Einnahme der Belehnungsgebühren auch weiterhin noch Zugriffsmöglichkeiten für den Lehnsherrn, und formell blieb das Heilige Römische Reich bis 1806 ein Lehnsstaat. Die Lehen wurden im 19. Jh. durch Allodifizierung und Beseitigung des Obereigentums der Lehnsherren aufgehoben, z. T. erst nach 1918 durch Gesetze der Länder und des Reichs bzw. 1947 durch ein Kontrollratsgesetz."

Das "Schloß Krampfer" liegt in Brandenburg. Ein Lehnsgebiet bedarf eines Lehnsgebers (oder haben Sie jemals davon gehört, daß ein Schloß ein Lehensgeber sein kann - vor Marssons oben zitiertem Unsinn? Wer sollte also der Lehensgeber im Falle des Fürstentums Germania sein? Der Markgraf und Kurfürst von Brandenburg? Die Ämter der Kurfürsten endeten jedoch 1806 mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches, als Franz II. die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reichs niederlegte (Quelle: Wikipedia). Also vielleicht doch der Papst? Es handelte sich schließlich beim Fürstentum um einen "Kirchenstaat". Doch auch wenn "wir" Papst sind: der Papst hat keinerlei Befugnisse, über wildfremdes Grundeigentum in der Bundesrepublik Deutschland zu verfügen.

Wer es gerne noch etwas historischer mag, werfe einen Blick in "Meyers Konversations-Lexikon von 1888", aus dem sich ebenfalls ergibt, daß die Theorien der Herren Fürstentümler bereits 1888 zum alten Eisen gehörten :

"Schon durch die Revolution von 1649 und dann durch eine ausdrückliche Verordnung Karls II. von 1660 wurde in England der Lehnsverband beseitigt, ebenso in Frankreich durch die Beschlüsse der Nationalversammlung vom 4. und 5. Aug. 1789. In Deutschland wurden mit der Auflösung des Deutschen Reichs 1806 die vorhandenen Reichslehen teilweise allodifiziert, indem deren Inhaber souveräne Fürsten wurden. Bei andern Reichslehen dagegen trat an die Stelle von Kaiser und Reich derjenige Landesherr als Lehnsherr, in dessen Gebiet das Lehnsgut gelegen war, indem die Lehnsträger mediatisiert wurden.
Zudem entsagten in der Rheinbundsakte, Art. 34 (sogen. Verzichtsartikel), die verbündeten Fürsten gegenseitig allen Lehnrechten, welche dem einen rücksichtlich des Gebiets des andern zustehen möchten. Innerhalb der einzelnen Territorien aber wurde in der Folge der Lehnsverband vielfach für ablösbar erklärt und so die Möglichkeit der Umwandlung des Lehens in volles Eigentum gegeben, so zuerst 1836 in Hannover; [* 7] auch wurde die Errichtung neuer Lehen gesetzlich untersagt, z. B. in Preußen [* 8] durch das Gesetz von 1852, wie denn auch die deutschen Grundrechte von 1848 bestimmt hatten: »Aller Lehnsverband ist aufzuheben«. So kommt es denn, daß dermalen nur noch wenige Überreste des einst so bedeutungsvollen Lehnswesens in die Gegenwart hineinragen, deren Tage ebenfalls gezählt sind (s. Ablösung)
".

Im bereits erwähnten dreistündigen Live-Stream vom 17.03.2009 amüsierten sich Jessie Marsson und Sebastian Mayer übrigens fürstlich über die Verwirrung, die sie unter den Kritikern mit der Berufung auf das Lehnswesen geschürt hätten. Man habe die Kritiker mit "total unsinnigen Sachen" beschäftigt. Nur die wirklich Eingeweihten hätten dies durchschaut. Dann wurde weiter gefaselt und auf den Vatikan verwiesen. Dieser habe weltweit Ländereien und nehme Steuern ein, bezahle allerdings selbst keine Steuern: "das ist Lehnsrecht". Die katholische Kirche beruhe komplett auf Lehen. Das Fürstentum mache genau das, was der Vatikan auch mache. Der Vatikan sei der einzige, der ein Lehnswesen habe - und "wir haben das jetzt auch".

Was soll man zu derartigen Ausführungen überhaupt noch sagen? Ganz offensichtlich haben die Macher des Fürstentums vom Lehnsrecht nicht die geringste Ahnung und versuchten dies mit einer angeblich gezielten Verwirrungstaktik zu verschleiern. Eine ernsthafte Auseinandersetzung über das Thema Lehensrecht ist so mangels konkreter Argumente und Informationen jedenfalls nicht möglich.

Müßig zu erwähnen, daß sich auch bei den Fürstentümlern übliche Reichsmärchen fanden, insbesondere das vom angeblichen Erlöschen der Bundesrepublik Deutschland durch Streichung des Art. 23 GG a.F. Ebenfalls in mehreren Live-Streams, so auch am 17.03.09, verbreitet: die völlig irrsinnige Behauptung, bei der Bundesrepublik Deutschland handele es sich in Wahrheit um eine GmbH, die als Verwaltungs GmbH im Handelsregister des Amtsgerichts Frankfurt eingetragen sei. Dieses "Argument" wird offenbar in der "Reichsszene" von denjenigen verwendet, für die das Kürzel "OMF-BRD" zu kompliziert ist, das ebenfalls dazu verwendet wird, die völkerrechtliche Existenz der Bundesrepublik Deutschland als demokratisch verfaßter Rechtsstaat zu leugnen.

Im Übrigen offenbarte Jessie Marsson während eines Live-Streams zur "Gründung" des Fürstentums am 14.02.2009 auch erhebliche Schwächen bei der staatsrechtlich so grundlegenden Drei-Elemente-Lehre. Wie so viele andere "Reichsideologen" auch sprach er davon, für eine Staatsgründung bedürfe es eines Staatsgebiets, eines Staatsvolks und einer Verfassung. Dies ist schlichtweg falsch, wie hier nachgelesen werden kann. Später wurde dieser Irrtum still und heimlich korrigiert und es war von der Staatsgewalt als drittes Element die Rede. Diese sollte bei einer Versammlung am 28.02.2009 auf Schloß Krampfer eingerichtet werden. Daß eine Staatsgewalt - die nach innen die Ordnungsaufgaben eines Staates sichert und nach außen seine Handlungsfähigkeit als Völkerrechtssubjekt - nicht einfach so von ein paar Fürstentümlern "eingerichtet" werden kann, ist jedem Lehrbuch zum Staats- bzw. Völkerrecht zu entnehmen oder auch vereinfacht bei Wikipedia und Meyers Lexikon online nachzulesen. Nach dem Neustart der Internseite des Fürstentums am 10.05.2009 wurde aus der Drei-Elemente-Lehre plötzlich sogar eine Vier-Elemente-Lehre: "Für die Leute, die noch nicht genau wissen, was es braucht, damit ein Staat ein rechtmäßiger souveräner Staat ist, laut Völkerrecht : StaatsGebiet, StaatsVolk, StaatsGewalt, eine Verfassung!!" (Screenshot).

Eine ebenfalls merkwürdige Behauptung, die von Jessie Marsson auf der Versammlung am 28.02.2009 aufgestellt wurde, war die, daß das "Völkerrecht" vorschreibe, daß ein Staat innerhalb von 130 Tagen anerkannt werden müsse. Eine solche Regelung gibt es allerdings schlichtweg nicht. Dies ist auch deshalb nachvollziehbar, weil die Anerkennung eines Staates nach inzwischen herrschender Meinung lediglich deklaratorische Wirkung hat. Danach hängt die Existenz eines Staates als Völkerrechtssubjekt nicht von der Anerkennung durch andere Staaten ab, der jedoch eine Indizwirkung zukommen kann. Dies ist auch nachvollziehbar, da kein Staat gezwungen werden kann, einen anderen anzuerkennen. Staaten können daher von der Anerkennung eines anderen Staates zum Beispiel auch aus politischen Gründen absehen und nicht nur wegen des Nichtvorliegens der Staatsmerkmale (-> siehe dazu auch Wikipedia), wie es ohnehin beim Fürstentum der Fall ist. Es gibt zudem zahlreiche Beispiele, in denen Staaten gerade nicht innerhalb der laut Marsson angeblich vom Völkerrecht vorgegebenen 130-Tage-Frist anerkannt wurden: die Vereinigten Staaten von Amerika (entstanden 1776, anerkannt durch Großbritannien 1783), die Niederlande (entstanden 1581, anerkannt durch Spanien 1648), Belgien (entstanden 1830/31, anerkannt durch die Niederlande 1839), Italien (entstanden 1861, anerkannt durch den Heiligen Stuhl 1929). Und angesichts der offensichtlichen antisemitischen Tendenzen einiger (führender) Fürstentümler könnte man zudem etwas überspitzt behaupten, daß gerade denen auch das Beispiel Israels geläufig sein müßte (entstanden 1948 und bis heute von einigen arabischen Staaten nicht anerkannt). Fazit: die von Marsson erwähnte angeblich durch das Völkerrecht vorgeschriebene Frist zur Anerkennung eines Staates von 130 Tagen ist Humbug. Dies erkannte man offenbar schließlich sogar bei den Fürstentümlern. Jedenfalls in der Sendung vom 10.05.2009 erklärte "Pressesprecher" Switer, auch wenn er noch immer nicht erkannt zu haben schien, daß es über die Anerkennung von Staaten inzwischen in der Rechtswissenschaft eine herrschende Meinung gibt: "Es ist im Grunde genommen (...) Kosmetik. (...) Es gibt ein Gerichtsurteil, in dem festgestellt worden ist, (...) daß es eine Anerkennung von außen gar nicht braucht." Conrad machte den Eindruck eines Erkenntnisgewinns bei den Fürstentümlern jedoch umgehend wieder kaputt, indem er behauptete: "Das heißt die Deklaration als Staat, die reicht eigentlich aus und dann ist es ein Staat", wobei Switer zustimmend nickte. Wäre dies so, könnte jeder in seinem heimischen Garten einen eigenen Staat "deklarieren"... dies zu verstehen, fiel den Fürstentümlern sichtlich schwer.

Ab Anfang März 2009 befand sich auf der Internetseite des Fürstentums auch eine Rubrik "FAQ". Diese begann zunächst mit Fragen, die sehr wenig über den rechtlichen Hintergrund erhellten (z.B.: "Wie kann ich Ritter der Menschenrechte werden?"). Welche Staaten das Fürstentum als "souveränen Staat" bereits anerkannt hatten, wurde auch dort nicht beantwortet. Es war lediglich von einem "Anerkennungsprozeß weltweit" die Rede, welcher derzeit laufe. Die erste Frage, die ein wenig juristischer wurde, war die Frage "Warum hat das Fürstentum eine Verfassung und kein Grundgesetz?". Bereits die Fragestellung machte deutlich, daß hier die Mär aufgegriffen werden sollte, daß es einen Unterschied zwischen Grundgesetz und Verfassung gebe. Und tatsächlich: die Antwort lautete "Ein Grundgesetz ist von seinem Wesen her die gesetzliche Grundlage für ein besetztes Gebiet, so wie es die Haager Landkriegsordnung vorsieht" (Screenshot). Dies ist definitiv falsch, da die HLKO über ein Grundgesetz keinerlei Aussage enthält. Siehe zu dieser Thematik hier. Auch die Antwort auf die nächste Frage (nach der Rechtsgrundlage des Fürstentums) ist juristisch schlichtweg Nonsens. Zunächst hieß es: "Rechtsgrundlage ist das seit jeher geltende Lehensrecht und das Völkerrecht". Anstatt diesen Punkt nun weiter auszuführen (wie soll beispielsweise das Lehnsrecht dazu führen, daß ein souveräner Staat entsteht? Gibt es etwa zum Entstehen von Staaten durch Lehnsrecht Vorschriften im "Völkerrecht"?), wurde eine Nebelkerze gezündet, indem plötzlich die Rede davon war, daß das Grundgesetz keine gültige Verfassung sein könne, weil es nie "durch das Volk ratifiziert" worden sei (siehe zu diesem Ammenmärchen hier). Weiterhin sei zwar die Weimarer Verfassung "vom Volk ratifiziert" (was falsch ist; siehe dazu hier), jedoch ungültig, da sie keinen Geltungsbereich enthalten habe (was ebenfalls falsch ist, weil eine Verfassung keinen Geltungsbereich benötigt, da sie sich denknotwenig nur auf das Hoheitsgebiet eines Staates erstrecken kann). Somit sei die letzte gültige Verfassung mit Geltungsbereich und Ratifizierung die von 1871. Auch dies ist - es überrascht nicht - natürlich falsch. Zwar beschreibt die Reichsverfassung von 1871 in Artikel 1 das "Bundesgebiet". Doch bereits der Text der Verfassung von 1871, z.B. die Präambel, macht deutlich, daß es sich bei der Schaffung des Deutschen Reichs nicht um einen souveränen Akt des "Deutschen Volkes" handelte. Die Verfassung entstand u.a. durch die Zusammenfassung vieler Einzeldokumente wie den Novemberverträgen. Die Zusammenfassung erfolgte durch das Gesetz betreffend die Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871 (Quelle: Wikipedia) und nicht etwa durch eine "Ratifizierung" durch das Volk.

Weitergehende rechtliche Informationen und fundierte Fakten über die Hintergründe des Fürstentums fanden sich in den Fürstentum-FAQ leider nicht. Welche Fragen man den Fürstentümlern insbesondere mit Blick auf das angebliche Lehnsrecht noch hätte stellen können, ist zum Beispiel in diesen Blog-Kommentaren nachzulesen (Screenshot).

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II. Handelnde Personen und ihre Verbindungen nach "rechts"

Zu den wichtigsten bzw. bereits aus der "Reichsszene" bekannten Personen im Fürstentum gehören bzw. gehörten u.a.:

- Jessie Marsson
- Johannes "Jo" Conrad
- Erwin Kiefer
- Christoph Kastius
- Claudia Aumüller-Karger
- Toni Haberschuss

sowie einige weitere Personen.

Aufgrund der zu diesen Personen zu recherchierenden Informationen bleibt als Fazit festzuhalten, daß es im Fürstentum Germania zahlreiche Anhaltspunkte für Rechtsextremismus, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und nicht zuletzt offensichtliche Verbindungen zu "Reichsideologen" gab, so daß keinesfalls der Fehler begangen werden sollte, das Fürstentum Germania pauschal als harmlos zu beurteilen, auch wenn einige Mitstreiter dies vermutlich sind und diese noch so "verschroben" erscheinen.

 

1. Das Aushängeschild des Fürstentums: Jessie Marsson

Unter dem Namen Jessie Marsson tritt das Aushängeschild des Fürstentums auf. Ob dies sein richtiger Name ist, ist unklar. Im Internet ist er jedenfalls unter verschiedenen Namen zu finden, so z.B. Jessie Marsson-Dumanch oder Jessie Dumanch. In Zukunft werde er "Jessie Freiherr von Pallandt" heißen, erklärte er beispielsweise anläßlich der Gründungsvorbereitungsveranstaltung im Januar 2009.

Bei einem von Uwe Behnken anmoderierten Vortrag Marssons anläßlich des "Chiemsee Sommerfest 2008" am 06. und 07. September 2008 (-> GoogleVideo) parlierte Marsson u.a. über die Vorbereitungen zur Gründung des Fürstentums und über AIDS, eine nach seinen Worten "Pilzerkrankung, deswegen ansteckend und eigentlich nicht tödlich". Er wisse von einer in Australien wachsenden Pflanze, mit der man "defintiv AIDS heilen kann". Marsson erklärte, er habe von Schlössern und Lehen geträumt und dann - nach Rücksprache mit einer Seherin - erfahren, daß er ein Schloß kaufen müsse. Lachend erzählt Marsson schließlich etwas von "Fördergelder(n)" in Höhe von "drei Millionen Euro", weil es in Brandenburg einen "großen Topf für denkmalgeschützte Häuser von der EU" gebe. "Wir haben alles voll bekommen", behauptet Marsson unter dem Beifall der Anwesenden. Daß dies den Tatsachen entspricht, erscheint allerdings zweifelhaft, da zumindest nach Marssons Schilderungen zwischen (angeblicher) Beantragung und (angeblicher) Auszahlung der Fördergelder nur wenige Stunden vergangen sein sollen. Darüber hinaus wurde auf der Internetseite des Fürstentums jedenfalls "nicht zuletzt (um) finanzielle Mittel" gebeten (Screenshot). Bemerkenswert war der Kommentar Jo Conrads zu der Behauptung Marssons (aus dem September 2008), man habe "alles voll bekommen", also insgesamt drei Millionen Euro an EU-Fördergeldern. Im "Freigeist"-Forum schrieb Conrad am 03.05.2009: "Also Leute, die Aussage, daß die Fördermittel da sind, war wohl etwas voreilig. Keiner hat da irgendetwas kassiert. Jessie ist halt manchmal etwas vorschnell. Natürlich wird versucht, an finanzielle Mittel heranzukommen, es gibt viele Versprechungen und auch viele leere Worte" (Screenshot). Voreilig? Vorschnell?

Einige der zahlreichen weiteren "Widersprüche" (um es höflich zu umschreiben) in Marssons Schilderungen rund um den Kauf des Schlosses Krampfer werden in diesem YouTube-Video sehr gut dokumentiert und kommentiert. Merkwürdig ist zum Beispiel auch, daß Marsson einerseits bei der Veranstaltung anläßlich des "Chiemsee Sommerfests" im September 2008 behauptet, der Grundbucheintrag finde erst "nächsten Mittwoch" statt (daß Marsson behauptet, für eine Grundbucheintragung könne man feste Termine vereinbaren, belegt, daß er offensichtlich gar nicht weiß, wie eine Grundbucheintragung eigentlich abläuft). Dieser Artikel in der "Märkische Allgemeine" vom 30.03.2009 läßt jedoch darauf schließen, daß für "Michael Freiherr von Pallandt" bereits seit 2007, spätestens jedoch seit Anfang 2008 eine Auflassungsvormerkung im Grundbuch steht.

In einem Interview mit Jo Conrad wollte Marsson zu den verschiedenen Vorwürfen gegen ihn Stellung nehmen und diese entkräften. Dieses Interview wurde am 26.05.2009 aufgenommen. Statt plausible Antworten zu bringen, verstrickte sich Marsson jedoch noch weiter in Widersprüche. Bezüglich der Fördergelder behauptete Marsson zum Beispiel, er sei von seinem damaligen Geschäftspartner/Teilhaber hinter's Licht geführt worden. Dieser habe ihm gesagt: "Wenn wir es [das Schloß] jetzt kaufen, kriegen wir sogar drei Millionen sofort. Da ist ein Fördertopf da (...)". Auch habe ihm dieser Geschäftspartner "ein paar schöne Unterlagen gezeigt, die leider Gottes alles falsch waren". Conrad faßte Marssons Geschichte dann dahingehend zusammen, daß der Geschäftspartner Marsson "was Falsches" gesagt habe, was Marsson dann so weiter gesagt habe. Marsson räumte seine Schuld ein und behauptete: "Ich habe das mit den drei Millionen rausposaunt. 2007 allerdings." Conrad quittierte dies mit einem schlichten "Okay." Wie jedoch bereits oben erwähnt, sprach Jessie beim "Chiemsee Sommerfest" im September 2008 (nicht 2007) von der Drei-Millionen-Förderung (-> GoogleVideo). Nochmals der Wortlaut, ab ca. Minute 52:50: "Wir haben alles voll bekommen"...

Über sich selbst erzählte Jessie Marsson während seines Vortrags bei der "Gründungsvorbereitungsveranstaltung" einige Details.

Zunächst wurde er von einer Zuschauerin auf das rote Tuch angesprochen, das er bei den meisten seiner Auftritte um seinen Kopf gewickelt hat. Marsson holte etwas aus und erklärte, er sei als 13jähriger nackt aus einem Auto geworfen worden, dann sei er mit seinem Ziehvater im Gefängnis gewesen. "Als Tatvorwurf: ich sei auf 9 Jahre geschminkt, 15. Oktober 2002, und hätte in pornografischen Posen auf einer Wiese gesessen", so Marsson und weiter: "Das reicht aus, um (...) eine gutgehende Fahrschule dichtzumachen, eine gute Familie zu zerrütten und einem Selbständigen die Existenz zu ruiniern."
Das rote Tuch habe damals die Blutung an seiner Schulter gestoppt. Übrigens habe er noch bis zum 16. Lebensjahr die beiden Kugeln, die in seinem Rücken gesteckt hätten, als Halskette getragen. Die habe er aber verloren als damals in Ingolstadt seine Wohnung komplett niederbrannte.

Bereits hier kommen einem verstandesbegabten Menschen zumindest leichte Zweifel am Geisteszustand des Jessie Marsson. Andererseits: wer von uns möchte sich anmaßen, aus der Ferne darüber zu urteilen? Vielleicht stimmt wenigstens ein Hauch der Biographie und die Geschichten des Herrn Marsson sind auf ein Trauma zurückzuführen?

Jessie Marsson fuhr schließlich fort, die Zuhörer über Details aus seinem Leben zu "informieren":

"Jetzt ganz kurz in meine Geschichte rein:
Irgendwie bin ich entstanden. Durch welche Kräfte auch immer. Nicht durch den normalen Fall. Wir gehören zum so genannten Sirius(?)-Projekt. Klon-Kinder. Das hängt auch mit dem Patriot Act zusammen. (...) Das hängt mit MK Ultra zusammen, wenn Euch das was sagt. (...)
Das hängt mit den Gesetzen zusammen, daß man seit 1943 an der Bostoner (?) Universität einem gewissen Mengele (...) den Auftrag gegeben hat, Forschungen an Menschen vorzunehmen. Das wurde von Boston (?) bezahlt, von der Bush-Familie mitfinanziert und die haben auch Mengele und einige andere später nach Argentinien gebracht. (...) Alle Akten diesbezüglich was ich jetzt sage sind vorhanden (...). Bloß kein Staat der Welt (...) bis auf Germania hoffe ich, hat bis dato Interesse gehabt, das zu veröffentlichen.
Das Problem an der ganzen Sache ist, daß (...) ich ein veraltetes System bin. Ich bin Baujahr 81, eventuell, vielleicht auch 80 oder 79. Ich weiß es nicht genau. Die Akten sind da ein bißchen zweideutig. (...) Mein ganzer Werdegang bis 2004, inklusive Militär, war vorgegaukelt, vorgespielt. Und ich Idiot hab's nicht gewußt.
"

In einem Live-Stream am 18.02.2009 antwortete Marsson auf die Frage nach seinem wirklichen Namen, daß er nicht wisse, wie er wirklich heißt. Dann wußte er wieder wilde Geschichten aus seiner Vergangenheit zu berichten. Außerdem erklärte er, daß er mit einem Visum in Deutschland unterwegs sei und es Probleme damit gebe, wenn er irgendwo eine Blutprobe abgeben müsse: sein Visum erlösche. 1985/86 sei Marsson nach Deutschland gekommen. Nicht minder verworren Marssons Antwort auf die Frage nach seinem Geburtsdatum: in seinen Akten seien verschiedene vorhanden: 1979, 1980, 1981... Er habe auch Schamanen und einen Druiden gefragt. Ginge es nach den Schamanen, sei sein Geburtstag der 26.06.1981.

Auf die Frage, wovon er seinen Lebensunterhalt bestreite, verwies Marsson u.a. auf einen Webshop, eine "Kräuterfirma". Er verkaufe "Kräuterrezepturen von Nostradamus", die Firma laufe "relativ gut". Es handele sich dabei um eine englische Limited. In einem Live-Stream am 26.03.2009 behauptete Jessie Marsson überdies, einen Catering-Service zu betreiben.

Die wilden Geschichten, die Marsson aus seiner angeblichen Vergangenheit erzählt, sind derart haarsträubend, daß sie einem schlechten Film entstammen könnten. Klonkinder, Mengele, Nato... Zuhörer/innen, die über einen gesunden Menschenverstand verfügen, dürften hier nur mitleidig den Kopf schütteln, innerlich hoffen, daß Marsson irgendwann einen guten Therapeuten findet - und es dabei bewenden lassen. In diesem und in jenem Beitrag sind die Verfasser den Geschichten Marssons jedoch auf den Grund gegangen. Es verwundert nicht, daß die Artikel mit "Germanische Märchenstunde Teil 1.1" und "Germanische Märchenstunde 1.2" betitelt sind. Zahlreiche von Marssons Angaben zu seiner Biographie sind demnach jedenfalls ganz offensichtlich Phantasieprodukte.

Aufgrund dieser Geschichten wurde Marsson zumindest vereinzelt selbst von Anhängern Germanias als "notorischer Lügner und Hochstapler" (Screenshot) bezeichnet.

Was Marsson zunächst, jedenfalls auch im Live-Stream vom 26.03.2009, aus seiner Biographie verschwieg, ist eine sehr merkwürdige "Geschäftstätigkeit". Unter einer Adresse eines kostenlosen Webhosters aus Österreich wurde u.a. getragene Wäsche zum Kauf angeboten. Im Impressum des Shops, der inzwischen vom Webhoster geschlossen wurde, tauchte der Name "Jessie Dumanch" auf. In den AGBs war u.a. zu lesen, "Sollten Sie die Ware nicht wünschen, so widerrufen Sie bitte Ihre Bestellung umgehend per e-mail bei jessie.dumanch@(...)" (Screenshot).

Ebenfalls verschwieg Marsson zunächst seine offensichtlich enge Freundschaft zu Uwe Bradler, dem "Pressesprecher" der "Exilregierung Deutsches Reich". Bradler ist u.a. wegen Besitzes (kinder-)pornographischer Schriften und Volksverhetzung vorbestraft. Er saß ab Sommer 2006 für 23 Monate in Spanien in Untersuchungshaft, wurde nach eigenen Angaben jedoch freigesprochen.

Als Entlastungszeugen für Uwe Bradler fungierten damals u.a. besagter Jessie Marsson und ein gewisser "Sebastian M", bei dem es sich um den oben erwähnten Verfassungs-Entwickler Sebastian Mayer handelt. Dies belegen Fotos, welche auf einer Internetseite Bradlers veröffentlicht sind. Sie wurden anläßlich der Freilassung Bradlers aus spanischer Untersuchungshaft aufgenommen und zeigen u.a. Bradler, Mayer, Marsson und "Reichskanzler" Schittke. Vor Ort in Spanien war damals auch, jedenfalls am 17.06.2006, ein bei Bradler als "Michael Freiherr von P." bezeichneter Herr, vermutlich also der "Freiherr von Pallandt" höchstselbst (Screenshot).

In der "Zeugenaussage" Marssons (der sich darin "Jessie Marsson-Dumanch" nennt) räumt dieser ein, daß Bradler "zu Beweiszwecken ein paar Dateien" auf seinem Laptop gespeichert hatte. Es habe sich dabei um Bilder gehandelt, die ihn, Jessie Dumanch, "als Kind in verschiedenen Posen" zeigten. Der "Aussage" beigefügt ist eine "Ausweis"-Kopie, lautend auf "Jessie Marsson Dumanch" (Screenshot).
Bei genauerer Betrachtung läßt sich allerdings feststellen, daß es sich hierbei keineswegs um einen echten Ausweis handelt, sondern um einen Fantasiepaß der "World Service Authority" (-> Wikipedia). Für diese "Weltpässe" warb Jessie Marsson (angekündigt als "Jessie Marsson-Durmach") im übrigen gemeinsam mit Uwe Behnken in einem ebenfalls im Internet veröffentlichten Video (Screenshot).

Marsson selbst lobte Bradler auf einer seiner Seiten im Vorwort zu einem Text namens "Das geheime Buch" in den höchsten Tönen:

"Schon allein wegen Uwe Bradler, der uns ja auch nur helfen wollte und nun schon seit fast zwei Jahren in einem spanischen Gefängnis sitzt.
Wir Autoren dieser Seite, zu deren Anfängen auch Uwe Bradler gehört, wußten zwar, daß wir uns mit hochrangigen Politikern die sehr stark in der Kindersexszene verstrickt sind, anlegen. Aber wir wußten nicht, daß dazu auch die Medien, Staatsanwälte, Richter, viel Prominez und gar viele Geheimdienste mit drinstecken.
Uwe Bradler ist daher in unseren Augen ein Patriot der nicht nur für die Wahrheit kämpft, sondern vor Allem für ein besseres Leben für viele Kinder. (…)
Uwe wir widmen Dir diese Seite, und wir hoffen, daß Du bald wieder draußen bist, leider erreicht Dich ja keine Post, daher haben wir uns jetzt zu diesem Schritt entschlossen.
Ich danke Dir trotzdem und wünsche Dir trotzt Deiner Scheißsituation das nur erdenklichst Gute.
Danke im Auftrag aller Strich- und MK ultra Kinder. Danke für Deinen Einsatz und Dein Opfer, das du gerade bringst, ich glaube nur nicht, daß ich das jemals wiedergutmachen kann.
" (Screenshot).

Als Uwe Bradler am 31.05.2006 anläßlich seiner Berufungsverhandlung vor der 8. Strafkammer des Landgerichts Magdeburg erscheinen mußte - er war im Juli 2005 vom Amtsgericht Magdeburg wegen Besitzes kinderpornographischer Schriften und Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe von 8 Monaten verurteilt worden -, stand ihm ein "Verteidiger" zur Seite, der vom Prozessbeobachter "Harry Hirsch" in seinem Bericht wie folgt beschrieben wurde:

"Neben ihm sein Verteidiger. Verteidiger? Nein... eine Robe trug er nicht. War er dennoch ein Anwalt? Sollte man den Mann mit einem Wort beschreiben, so fiele einem treffend ein: schäbig. Statt einer Robe trug er einen verschmutzten Trenchcoat, so als wolle er TV-Detektiv Columbo Konkurrenz machen. Die dunkelblonden, fast schulterlangen Haare hastig aus dem Gesicht gekämmt, Akzent mit rollendem R... ob das ein Rrrrreichsanwalt sein konnte?"

Die Verteidgungs-"Strategie" Bradlers und seines Beistands bestand hinsichtlich des Tatvorwurfs des Besitzes von Kinderpornographie darin, zu behaupten, Bradler habe von seinem Beistand, einem "Herrn M.", den Auftrag erhalten, nach Kinderpornos zu recherchieren, um dann die "beteiligten Erwachsenen" in den USA zu verklagen. Wie der Name des Bradler-Beistands genau lautete, wußte "Harry Hirsch" (ein Pseudonym, unter dem Leser der "KRR"-FAQ über Gerichtsverfahren berichten konnten) nicht zu sagen. Verstanden habe er jedoch "'Maaß', 'Maaßer' oder 'Maaßen', mit langem A und vielleicht sogar mit Eszett". Dies in Verbindung mit der Beschreibung des Beistands deutet stark darauf hin, daß es sich bei der Person, die Bradler "verteidigte" und in dessen angeblichen Auftrag Bradler Kinderpornos besaß, um Jessie Marsson handelte. Hinzu kommt, daß eine Google-Recherche das Schreiben einer "Buentert & Marsson, Smith, Smith & Co. Ltd. - Lawyers and Investigation Services" an die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg zu Tage fördert (Screenshot). Unterzeichnet ist dieses "Mit freundlichen Grüßen Jessie Marsson-Dumanch - Lawyer" (Screenshot). Bei der angegebenen Adresse dieser "Limited" handelt es sich übrigens um eine Briefkastenadresse. Die Lawsociety, bei der alle Anwälte (Barristers und Solicitors) in England und Wales Mitglied sein müssen, führt eine solche Kanzlei jedenfalls nicht, wie man hier leicht selbst herausfinden kann.

Neben der Verurteilung wegen des Besitzes von Kinderpornographie war Bradler in erster Instanz auch wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Er hatte im Internetforum der "Exilregierung" den Holocaust verharmlost, indem er behauptete, beim Holocaust seien "nicht mehr als eine halbe Million" Menschen getötet worden. Dabei hatte sich Bradler auf Fritjof Meyer berufen. Dieser hatte sich jedoch in seinem (umstrittenen) Aufsatz "Die Zahl der Opfer von Auschwitz" lediglich - wie es der Titel bereits sagt - mit den Holocaustopfern in Auschwitz befaßt. In der Berufungsverhandlung versuchte sich nun Bradlers Beistand, also allem Anschein nach Jessie Marsson, ebenfalls in "Zahlensspielen" rund um den Holocaust. Dies brachte ihm, wie im Bericht Harry Hirschs nachzulesen ist, eine Ermahnung durch das Gericht ein. Die Berufung wurde im übrigen verworfen, das Urteil der 1. Instanz bestätigt.

In einem Live-Stream am 17.03.2009 äußerte sich Marsson auch zu diesem Thema. Er habe im Jahr 2004 einen Programmierer für eine Internetfalle gesucht. Bradler habe sich bereit erklärt, zu helfen. Man habe versuchen wollen, Pädophile aus der Ecke zu locken. Hierfür seien Bilder von Jessie verwendet werden, angeblich jedoch nichts Pornographisches. In krassem Widerspruch hierzu stehen die Berichte über die erstinstanzliche Verhandlung gegen Uwe Bradler vor dem Amtsgericht Magdeburg im Juli 2005 (bei der Marsson noch nicht als Verteidiger Bradlers auftrat). Bei Bradler waren, so ergab es die Beweisaufnahme, Dateien kinderpornographischen Inhalts in großem Umfang, gefunden worden. Mit Blick auf den den Vorwurf des Besitzes von Kinderpornographie bedauerte die damals zuständige Richterin in ihrer mündlichen Urteilsbegründung, daß sie "nur" eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen verhängen könne. Nach der Durchsicht der Fotos käme man zu der Erkenntnis, daß hier Kinder in ihrer Gesundheit und ihrer Seele schwer verletzt worden seien, so die Richterin. Es sei unvorstellbar, wie sich erwachsene Menschen sowas gern anschauen können. Im bereits oben erwähnten Interview vom 26.05.2009 mit Jo Conrad, in dem Marsson den Versuch unternehmen wollte, gegen ihn erhobene Vorwürfe zu entkräften, waren auch seine Verbindungen zu Uwe Bradler ein Thema. Zwar sprach Conrad Marsson darauf an, daß dieser Bradler verteidigt habe. Doch erzählte Marsson daraufhin lediglich Dinge, die angeblich in Zusammenhang mit Bradlers Verhaftung in Spanien stehen sollen. Auf seinen Auftritt als Bradlers Verteidiger vor dem Landgericht Magdeburg im Mai 2006 ging er hingegen mit keinem Wort ein. Stattdessen bezeichnete er die Informationen der "KRR-FAQers" als "Lügen" und "Intrigen", was er mittlerweile allerdings "richtig lustig" finde.

Im Internet lassen sich darüber hinaus zahlreiche weitere Angaben zu Jessie Marsson finden (z.B. Beiträge Marssons, die ihn als Anhänger der "Chemtrail"-Verschwörungstheorien ausweisen [-> Wikipedia] oder als "irischen Jungdruiden" namens "Byron Michael Jessie Marsson", Screenshot).

Woher Marsson eigentlich seine Rechts"kenntnisse" bezieht, bleibt im Dunkeln. Er selbst wich der Frage danach anläßlich eines Live-Streams am 18.02.2009 jedenfalls aus.

Am 09.06.2009 wurde über JeetTV ein Live-Stream mit Jessie Marsson ausgestrahlt. Unter dem Titel "Germania lebt" erklärte Marsson jedoch eher das Gegenteil, jedenfalls in Bezug auf das Schloß Krampfer, welches nach der Germania-Legende angeblich zwingende Voraussetzung für die Ausrufung des Fürstentums war, da hier noch ein "Lehensrecht" existierte (oder so ähnlich). Nachdem das Schloß von der zuständigen Bauaufsichtsbehörde geräumt worden war, erklärte Marsson, daß zukünftig "die Eingänge mit Plexiglas" verschlossen, das Schloß offiziell dem "Verfall preisgegeben", es aber gleichzeitig auch "Mahnmal werde". Die Räumung des Schlosses verglich er mit der Deportation der Juden im Dritten Reich. "Ihr feiert doppeltes Jubiläum", faselte Marsson (w)irr grinsend. "1938/39 Deportation. 2009 Deportation. Happy Birthday". Schloß Krampfer müsse ein Mahnmal werden, unter anderem, weil die "BRD" bewiesen habe, daß ihr Menschenrecht, Völkerrecht und das eigene Grundgesetz "scheißegal" seien. Der Rest der Äußerungen Marssons war mindestens ebenso sinnentleert und widersprüchlich. Einerseits behauptete er, schon wieder zwei neue Grundstücke gekauft zu haben (eines davon im "südamerkanischen Raum" soll als Sitz der "Exilregierung" des Fürstentums dienen) sowie an Eigentumswohnungen für das Volk Germanias zu arbeiten. Andererseits jedoch behauptete er, momentan einen finanziellen Engpaß zu haben, Schulden bei guten Freunden. Er habe seine Firma verkauft, seine Autos, sei jetzt "im Angestelltenverhältnis" tätig (wohl als Koch). Seine Kritiker, u.a. von der "KRR"-FAQ, bezeichnete Marsson als "Feiglinge". Diese seien "entweder zu häßlich" oder hätten "so viel Dreck am Stecken" oder "werden bezahlt".

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2. Der "rechte Medienmann": Johannes "Jo" Conrad

Äußerst aktiv bei dem bislang in diesem Umfang für die "Reichsszene" unbekannten Werbefeldzug des Fürstentums ist der "rechte Medienmann" und Verschwörungsautor Johannes "Jo" Conrad, welcher im Rahmen der "KRR"-FAQ bereits hier ausführlich vorgestellt wird.

Im "Freigeist"-Forum, in dem Conrad als Administrator fungiert, wurde ab Mitte Januar 2009 für das "Fürstentum" geworben, wobei auffällig war, daß Conrad, der sich bislang eher durch – jedenfalls nach außen gezeigte – Distanz zu den verschiedenen "Reichsregierungen" auszeichnete, keinerlei Kritik an der Idee und den handelnden Personen duldete (Screenshot).

Conrad war unter anderem zu Gast bei der so genannten "Gründungsvorbereitungsveranstaltung", er "moderierte" mehrere bei jeet.tv ausgestrahlte Live-Streams, unter anderem am 14.02.2009 über mehrere Stunden hinweg den Stream zur Gründung von "Germania". Conrad führte mit dem Aushängeschild des Fürstentums ein u.a. bei GoogleVideo veröffentlichtes Interview und komponierte das "Germanialied" , eine Art Hymne für das neue Fürstentum.

Trotz zunehmender Kritik vor allem an der Person Jessie Marssons und dessen (w)irrer Geschichten stand er auch weiterhin zu ihm, wobei allerdings in einem Forenbeitrag Conrads vom 07.06.2009 eine vorsichtige Distanzierung erkennbar wurde:

"Ich kann mich für Jessies Geschichte nicht verbürgen. Ich bekomme auch nur Bruchstücke mit und versuche mir ein Bild zu machen. Entscheidend ist für mich die Reinheit der Absicht und das, was ich selber mit ihm erleben kann." (Screenshot)

Nach dem Aus für das "Fürstentum Germania" im Sommer 2009 dauerte es bis Anfang Januar 2010, ehe sich Conrad wieder öffentlich mit Jessie Marsson zusammentat und ein neues Projekt namens "Bewusst.tv" ankündigte.

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3. Erwin Kiefer

Neben Jessie Marsson und dem "Reichsfreiherrn Michael von Pallandt" trat anläßlich eines Live-Streams am 14.02.2009 auch ein gewisser Erwin Kiefer auf, der als Finanzexperte des Fürstentums vorgestellt wurde. Sein Name taucht u.a. im Impressum des Internetauftritts einer "MZE Future LiveConcept Ltd." auf, deren Internetseite den schlichten Titel „MZE – private equity associates“ trägt. Bei der im Impressum als Hauptsitz angegebenen Adresse (Screenshot) handelt es sich um die einer Firma zur Gründung von Briefkastenfirmen, die ihre Adresse Gründern zur Verfügung stellt (Screenshot).

Auf der Eingangsseite des Internetauftritts von MZE werden die Besucher mit den Worten begrüßt (Screenshot):

"Willkommen im MZE Wirtschafts- und Marketingforum
Sie sind Willkür, Missmanagement und Unlogik in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft leid ? Sie wollen endlich wieder frei und unbelastet in die Zukunft sehen? Sie suchen neue berufliche, gesellschaftliche oder sogar politische Herausforderungen ? Sie sind NICHT jemand von gestern und fürchten sich NICHT vor der Zukunft sowie neuen interessanten Herausforderungen? Dann sollten Sie sich unsere alternativen Visionen, Strategien und neuen beruflichen und geschäftlichen Betätigungsfelder anschauen.
"

Während die "Registrierung als Mitglied im MZE Kundenforum" noch gratis ist, kostet eine "Aktivierung des funktionalen MZE Mitgliedskontos" bereits 30 EUR (als "Deposit des Mindestguthabens in Höhe von € 30,- auf dem künftigen persönlichen IPay 24 Konto"). Im Mitgliedsantrag muß der MZE-Interessent zur Kenntnis nehmen, daß er für die 30 EUR eigentlich keine Gegenleistung erhält:

"MZE Leistungen bestehen überwiegend aus der kontinuierlichen und zwanglosen Information über die dem Vereinszweck dienenden Aktionen sowie der Organisation ggf. kostenpflichtiger Veranstaltungen an denen ich mich in freier Entscheidung nach deren Bedingungen beteiligen kann", heißt es dort (Screenshot).
Gleiches gilt übrigens für die "Fördermitgliedschaft", die allerdings pro Jahr 350 EUR kostet.

Neben diesen Tätigkeit ist Kiefer auch als Referent unterwegs. Er stellt dabei eine "konvertierbare Bankensoftware" vor, die es "ermöglicht alle bestehenden Währungen (inkl. Regionalgelwährungen und Tauschbörsen) konvertierbar zu machen. Somit ist der gemachten Panik im Finanzwesen endgültig der Nährboden entzogen."
Der Eintritt zu einer solchen Veranstaltung am 31.01.2009 kostete laut Ankündigung entweder 15 EUR oder "1 Unze Silber" (Screenshot).

Aus einem Blog-Eintrag aus dem Oktober 2006 geht hervor, daß Erwin Kiefer ("Initiator MZE") einen Vortrag auf Grundlage des Buches eines gewissen Karl Pilsl halten sollte (Screenshot). Nach mehrmaligem Scheitern als Unternehmer, erlebte Karl Pilsl eine persönliche Bekehrung und ließ sich in Amerika zum Pastor ausbilden. In dieser Eigenschaft gründete er das "Glaubenszentrum Gute Nachricht" in Wels, Oberösterreich (Quelle). Heutzutage ist Pilsl überwiegend als "Wirtschaftsjournalist" bekannt.

Recherchiert man ein wenig weiter nach dem Namen Erwin Kiefer, stößt man schließlich auf eine "ecoplanet-ag" mit Sitz in Österreich. Dort findet sich der Name im Aufsichtsrat. Die "ecoplanet-ag" gab jeenfalls noch im Februar 2009 Vorzugsaktien an interessierte Investoren aus. Zweck:

"Ausstattung der ecoplanet-ag mit dem erforderlichen Grundkapital und mit Eigenkapital zur Realisierung des Umwelttechnologiezentrums Schloss Schwarzenau mit Technologien auf dem Gebiet des Umweltschutzes, der Agrarwirtschaft im Einklang mit der Natur und der alternativen Gesundheitspflege." (Screenshot)

Die Einzahlung des Aktenkaufpreises ("Mindestanlage: 1 Vorzugsaktie a 500,-- Euro zuzüglich 5% Agio 525,-- Euro") sollte über die"MZE Treuhand reg. mit Sitz in Vaduz, Liechtenstein" erfolgen . Als Sicherheit fungierte eine "Hypothek der Treuhandgesellschaft am Schloss Schwarzenau in Höhe der von Anlegern übernommenen Aktien". (Screenshot)

Weiter hieß es im Februar 2009 auf der Internetseite (Screenshot):

"Die Vorzugsaktien sind Namensaktien mit einer Vorzugsdividende von 2% pro Monat (24 % pro Jahr)".

Als "Geschäftsführer" der ecoplanet-ag fungiert ein gewisser Dr. Erwin Annau (Screenshot). Eine Google-Recherche ergibt, daß es bei ihm um ein ehemaliges Scientology-Mitglied handelt. Er wurde 1998 zu einer "Suppressive Person" erklärt, also sinngemäß zu einem "Unterdrücker" (Screenshot). In der Erklärung ist im Zusammenhang mit Annau u.a. die Rede von jahrelangen "financial irregularities"; er soll zudem andere Scientologen und Geschäftspartner um "tausende" Dollar betrogen haben. Annau bestreitet jedenfalls, daß es strafrechtliche Verfahren gegen ihn gab. Die Vorzugsaktien der ecoplanet-ag wurden übrigens intensiv auch von "Joytopia" beworben (Screenshot), einem "alternativen Wirtschaftsmodell. Dessen Gründer, Bernd Hückstädt, ist - wie Erwin Kiefer - Mitglied im Aufsichtsrat der ecoplanet-ag (Screenshot; Stand: Februar 2009). In einer Firmenpräsentation aus dem Oktober 2009 ist zwar weiterhin Bernd Hückstädt, nicht mehr jedoch Erwin als Aufsichtsrat der ecoplanet-ag aufgeführt.

Übrigens behauptete oben erwähnter Jo Conrad - im "Freigeist"-Forum mit den Verbindungen zwischen ecoplanet ag, Joytopia und Scientology konfrontiert - nicht über ecoplanet Bescheid zu wissen (Screenshot). Dies erscheint angesichts seines starken Engagements für das "Fürstentum" sowie seiner Kontakte zu Uwe Behnken (der auch schonmal einen Vortrag Erwin Kiefers anmoderierte) und Michael Kent, dessen "Kent-Depesche" für Bernd Hückstädt wirbt, zumindest zweifelhaft.

Laut "Verfassung" des Fürstentums (Artikel 14) sollte die "Dank-Mark" als "Tauschmittel innerhalb Germanias" verwendet werden (Screenshot). Bei der "Dank-Mark" handelt es sich um die Joytopia-"Währung". Außerdem plante das Fürstentum offenbar die Errichtung einer "Staatsbank von Germania" und die Vergabe von Krediten.

Ob die ecoplanet-ag, die MZE Treuhand oder die MZE Future LiveConcept Ltd. auch in den Kauf des "Schloß Krampfer" - dem Sitz des "Fürstentums" in der brandenburgischen Gemeinde Plattenburg - involviert waren, ist nicht bekannt. Im Zusammenhang mit dem Kauf bzw. "Lehen" des Anwesens erwähnte Jessie Marsson während eines Live-Streams am 14.02.2009 lediglich eine namenlose Limited. Im Live-Stream vom 18.02.2009 erklärte Marsson, "Fürst" Pallandt stehe im Kaufvertrag für das Schloß. Eine Eintragung in das Grundbuch sei bislang jedoch noch nicht erfolgt. Man warte noch auf eine Ratifizierung des Kaufvertrags durch Rußland, die "laut SHAEF-Gesetzgebung" benötigt werde, da niemand in Deutschland ohne Zustimmung der Besatzungsmächte Eigentum haben dürfe.

Nach der turbulenten Anfangsphase des Fürstentums war Erwin Kiefer - zumindest im Internet - nicht mehr im Zusammenhang mit dem Fürstentum zu sehen.

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4. Der "Aufmerksamkeitstäter": Christoph Kastius

Im Live-Stream vom 21.02.2009 meldete sich schließlich ein weiterer bekannter "Reichsideologe" zu Wort: der "Aufmerksamkeitstäter" Christoph Kastius, über den die "KRR"-FAQ an dieser Stelle berichtet. Angesichts seiner Tätigkeit für die "Exilregierung Deutsches Reich" (er wurde Anfang Januar 2007 zum "Verfassungsrat" ernannt) erstaunte seine Begründung für seine Freude über "Germania" doch ein wenig: "Es war auch höchste Zeit, nachdem wir so viel Exil- und Reichsregierungen hatten, die uns alle ziemlich verwirrt haben und eigentlich uns nur das Geld aus der Tasche ziehen wollten".

Aus einer Anfang Januar 2007 von Kastius selbst veröffentlichten Anordnung eines Waffenbesitzverbotes geht hervor, daß Kastius u.a. wegen räuberischer Erpressung, Unterschlagung, Betrug und Nötigung zu Bewährungsstrafen verurteilt wurde. Darüber hinaus wurde gegen ihn seit 2002 in 31 Verfahren strafrechtlich "u.a. wegen Bedrohung, Verstoßes gegen das Waffengesetz, gefährlicher Körperverletzung, verfassungsfeindlicher Verunglimpfung von Verfassungsorganen, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Nötigung und Beleidigung" ermittelt.

Auf seiner Homepage (auf der Kastius das Motto der Interim Partei Deutschland, IPD, zitiert: "Nicht linksradikal. Nicht rechtsradikal. Sondern radikal im Recht!"; Screenshot) verwies Kastius u.a. auf ein Flugblatt des Holocaustleugners Rainer Link (Screenshot). Kopierte man den auf der ersten Seite der PDF-Datei befindlichen Barcode in einen Texteditor, erschien anstelle des Barcodes die Parole "Heil Hitler!"; die PDF-Datei war von einer anderen auf Kastius registrierten Internetseite abzurufen (Stand: 05.03.2009). Im Internet-Café Links fand im November 2008 ein Vortrag statt, in dem "die Ziele der Bundespartei IPD" erklärt wurden. Während Kastius im übrigen das fehlende Impressum der "KRR"-FAQ anprangert, entspricht auch sein Impressum nicht den gesetzlichen Vorschriften, da es keine ladungsfähige Anschrift enthält. Darüber hinaus wähnt sich Kastius im "Konzentrationslager BRD" (Screenshot).

In der "Märkische Allgemeine" vom 21.02.2009 war zu lesen: "Jessie Marsson, der als dessen [des Fürstentums] Initiator verstanden werden kann, räumte gestern auf Nachfrage ein, dass rechte Gruppen bereits den Kontakt gesucht haben. Doch die hätten bei ihnen keine Chance."

Die Tatsache, daß Kastius allem Anschein nach mit offenen Armen von Jo Conrad und den anderen treibenden Kräften des Fürstentums aufgenommen wurde, belegt mithin ebenfalls eindrücklich, daß es mit dieser Distanzierung "von rechts" nun wirklich nicht weit her war.

Nachdem es offenbar zu einigen internen Auseinandersetzungen gekommen war, zog sich Kastius allerdings wieder aus dem Fürstentum zurück. Im Live-Stream vom 19.03.2009 begründete er dies Jessie Marsson gegenüber telefonisch damit, daß er nicht mit jemandem wie Thomas Patzlaff zusammenarbeiten wolle. Dieser habe schon einige "runde Tische" kaputt gemacht, habe außerdem eine "Stasi-Vergangenheit". Noch während Kastius über Patzlaff herzog, unterbrach Jo Conrad den Live-Stream. Es sei "entsetzlich", daß hier "schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit" gewaschen werde. "Furchtbar! Ganz furchtbar".

Im "Krampfer"-Forum, also im Forum der Schloßbewohner, waren übrigens zuvor Beschwerden über Kastius aufgetaucht. Offenbar hatte er Adressen von Fürstentümlern gesammelt und weitergegeben, woraufhin diese unerwünschte Post bekamen (Screenshot).

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5. Claudia Aumüller-Karger und der "Zentralrat Souveräner Bürger"

Eine ehemalige Anhängerin des "KRR-Erfinders" Wolfgang G. G. Ebel, die im Zusammenhang mit dem "Fürstentum Germania" erwähnt werden sollte, ist Claudia Aumüller-Karger. Sie war zumindest bis zum 14.12.2006 "Staatsbürgerin des Staates 2tes Deutsches Reich" und bei Ebel als "reichsrechtliche Rechtssachverständige" tätig. Vom 14.12.2006 datiert jedoch die "Aufhebung der Bestallungsurkunde", die Ebel im Internet veröffentlichte (Screenshot). Fortan machte Aumüller-Karger mit dem "Zentralrat Souveräner Bürger" (ZSB) auf sich aufmerksam, den sie gemeinsam mit den bei Ebel ebenfalls entlassenen "reichsrechtlichen Rechtssachverständigen" Karl Meyer und Viktor Wenzel gründete. Letzterer ist inzwischen nicht mehr beim ZSB tätig. Die Nürnberger Nachrichten berichteten z.B. am 27.11.2008 über den ZSB. Unter anderem heißt es dort:

"'Die Homepage des ZSB ergibt tatsächliche Anhaltspunkte für die dortige Verbreitung rechtsextremer Denk- und Argumentationsmuster', erklärt Robert Bihler, Sprecher der bayerischen Verfassungsschutzbehörde. (...) Die Gruppe akzeptiert die Verfassung nicht und bezweifelt die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik - damit die Legitimität aller Behörden, vom Gericht über das Finanzamt bis zur Polizei. Ebenfalls im Internet treten ihre Anhänger als Verfechter eines 'Deutschen Reiches' auf, vergleichbar mit dem seit den 90er Jahren existierenden Phänomen 'kommissarischer Reichsregierungen'".

Zum Thema Holocaust soll Aumüller-Karger gesagt haben: "Ich war nicht dabei, ich kann mir kein Urteil erlauben". So ist es jedenfalls in einem Bericht des "Schwabacher Tagblatt" vom 28.10.2008 zu lesen.

Beim so genannten "Chiemsee Sommerfest 2008" im September 2008 stellte Claudia Aumüller-Karger "in ihrer Funktion als Sprecherin des ZSB" schließlich einen gewissen Jessie Marsson vor, der "über die eindrucksvollen Arbeiten an einem Kirchenstaat" berichtete, nämlich dem "Fürstentum Germania". Aumüller-Karger stellte das Fürstentum als Gebiet vor, "auf dem die BRD keinen Zugriff haben kann" (-> GoogleVideo).

In einem Artikel vom 15.04.2009 berichtete die "Märkische Allgemeine" über die Verbindungen zwischen dem ZSB und dem Fürstentum Germania. Die örtliche CSU habe ein Infoheft herausgegeben, in dem sie angesichts der Aktivitäten des ZSB Alarm schlage, da "sie die Ausbreitung dieser Gruppierung" befürchte. Weiter heißt es:

"Doch hat die CSU bereits ein vitales Interesse am Erfahrungsaustausch mit Bürgern aus der Prignitz gezeigt. 'Es wäre gut, wenn man sich verständigen könnte. Vielleicht bleibt das Problem mit den Reichsregierungen dann nicht nur bei uns hängen, sondern wird mal auf Bundesebene diskutiert', heißt es in einer Erklärung der CSU."

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6. Toni Haberschuss

Toni Haberschuss - der in einer Ankündigung für eine "Fachtagung Gesundheit und Autarkes Leben in Südamerika" gar als "Fachredner: Dr. Toni Haberschuss" bezeichnet wird (Screenshot) - zählte ebenfalls zu den führenden Kräften des Fürstentums, war zudem ein "Ritter der Menschenrechte" und "Volksrat" des Fürstentums. Haberschuss vertritt die üblichen "Reichsthesen", so in einem Text "BRD – Deutsches Reich – Nachkriegsordnung - Wiedervereinigung", der als Word- und PDF-Datei im Internet kursiert. Dort heißt es u.a.:

"Das Deutsche Reich besteht aber weiterhin fort, es ist bloß mangels einer Organisation als Gesamtes nicht handlungsfähig. So kann 6o Jahre nach dem Kriegsende jeder Deutsche dieses negative Plebiszit, nämlich die Erduldung des Besatzungsrechts -manifestiert durch das Grundgesetz, selbst aufheben."

Gemeinsam mit Thomas Patzlaff war Haberschuss im Februar bereits auf einer der ersten Veranstaltungen des "Fürstentums", wie Patzlaff in einer E-Mail vom 12.02.2009 mitteilt, die mittels einer einfachen Google-Suche zu finden ist.

Haberschuss ist "Vorstandsvorsitzender" des "Selbsthilfeverein(s) Autarkes Leben - Vereinigung der unter Selbstverwaltung stehenden Deutschen". Zum Vorstand zählen auch Uwe Behnken und Thomas Patzlaff. Ebenfalls im Vorstand des Vereins: Bernd-J. Fischer. Auch dieser vertritt zahlreiche Reichsthesen (Screenshot). Im Internet kursiert zudem ein "Provisorischer Deutscher Personenidentausweis", der Fischer als Staatsbürger des Deutschen Reiches ausweist (Screenshot). Auf der Rückseite dieses "Ausweises", dessen Druckvorlage offenbar von Thomas Patzlaffs "Rundem Tisch" stammt, heißt es u.a.: "BRD-Einbürgerung verleiht keine Reichsangehörigkeit, kein Ausländer wurde also Deutscher!" (Screenshot).

Am 19.05.2009, dem Tag der Räumung des Schlosses, verkündete Haberschuss im offiziellen Internetforum des Fürstentums seinen sofortigen Rücktritt als "Volksrat" (Screenshot).

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7. Weitere Personen

a) Über den "Fürsten" Germanias lassen sich wenig zuverlässige Quellen finden, daher ist über den "Reichsfreiherrn Michael von Pallandt" vergleichbar wenig bekannt. Die Märkische Allgemeine Zeitung zitierte in einem Artikel vom 21.02.2009 einen Floris von Pallandt, Graf von Culemborg. Dieser habe "in einem Gespräch darauf aufmerksam gemacht, dass der namensgleiche Schlossherr in Krampfer ihm nicht bekannt sei. Die Internetseite der Familie werde seit der Gründung des 'Fürstentums' in Krampfer geradezu überrannt. In der Sache gingen täglich 300 Mails ein. Ob es sich bei dem Freiherrn Michael um einen echten Pallandt handelt, konnte er nicht sagen, denn die alte Adelsfamilie, sei wahnsinnig groß". Allerdings befand sich auf den Internetseiten des Fürstentums ein Foto des Personalausweises, auf dem tatsächlich der Name Michael Freiherr von Pallandt zu lesen war.

b) Jedenfalls in der Anfangszeit aktiv beim "Fürstentum Germania" war Erhard Lorenz, der Provider Jo Conrads, in der Reichsszene bereits bei verschiedenen Regierungen/Projekten beteiligt und zuletzt mit dem "Volks-Bundesrath" aktiv. Allerdings kam es schon vor der Gründung des Fürstentums, Mitte Februar 2009, zu internen Querelen, die dazu führten, daß Lorenz am 12.02.2009 auf einer eigenen Internetseite eine Warnung vor der Konkurrenz veröffentlichte (Screenshot). Lorenz wirbt auf mindestens einer seiner Internetseiten auch für das o.g. "Joytopia" und dessen "Dank-Mark" (Screenshot).

c) Eine weitere treibende Kraft bei der Gründung: Thomas Patzlaff - den Conrad während seiner "Moderation" mehrfach als "Thomas Petzlaff" bezeichnete - vom "Runden Tisch" in Berlin. Patzlaff wurde zu einem der "Ritter" des Fürstentums. Was es mit diesen auf sich hat, erläuterte Jessie Marsson im Live-Stream am 26.03.2009. Man dürfe sich nicht "Polizei" nennen, weil es "in der BRD auf BRD-Boden" Amtsanmaßung wäre. "Deshalb bleiben wir bei den Rittern". Warum ein angeblich souveräner Staat plötzlich Angst vor den Strafgesetzen der angeblich ohnehin nicht existierenden "BRD GmbH" haben sollte, erschloß sich nicht.

In einer E-Mail vom 10.06.2009 nahm Patzlaff - der zwischenzeitlich seinen Posten als "Volksrat" nach Vorwürfen, er sei ein "Postenjäger" niedergelegt hatte - zu den jüngeren Entwicklungen im Fürstentum Stellung. Offenbar jedoch hatte er die E-Mail in Unkenntnis des bis dahin letzten Live-Streams Jessie Marssons vom 09.06.2009 geschrieben.

In der Mail, die der "KRR"-FAQ zugeleitet wurde, hieß es u.a.

"Bereits in der anfänglichen Entwicklung zeigte sich, daß viele Menschen mit verschiedenen Ansprüchen an die Sache heran gegangen waren, was natürlich schnell zu Streit und Polarisation führte. Ja aus meiner Sicht gab es schon relativ früh innere Machtgerangel, welche schon sehr schnell zu einer ersten Spaltung führten. Es waren ja auch die verschiedensten Gegensätze vertreten. Von Anarchisten über Esoteriker bis hin zu eher national eingestellten Menschen war alles vertreten und so war es auch nicht zu erwarten, daß hier eine schnelle und reibungslose Harmonisierung stattfinden könnte.

(...)

Ganz im Gegenteil, denn durch die im Weltnetz inszenierten täglichen Livestreams wurde hier noch mehr Stoff geliefert. Dabei wurden teilweise öffentliche Streitereien ausgetragen und auch widersprüchliche Aussagen präsentiert, welche Teilweise schon als Angriffe gewertet werden können. (...) Die Krönung der in den Livestreams getroffenen Aussagen war aber, daß die anfänglich dargestellten Rechtsgrundlagen, aus strategischen Gründen gelogen waren! Das brachte mich in eine schwierige Position, denn ich hatte viele Menschen von dieser Sache überzeugt und stehe jetzt natürlich schlecht da. Menschen die meiner Urteilsgabe vertraut haben, könne sich jetzt hinters Licht geführt fühlen und das ist für mich nicht leicht zu verdauen.

(...)

Natürlich sind noch viele merkwürdige Dinge intern geschehen über die trefflich zu berichten wäre aber das würde die Sache nur weiter diskreditieren, was nicht in meiner Absicht liegt. (...) Derzeit sind viel zu viele offenen Fragen anstehend um eine vernünftige Lagebeurteilung zu erstellen. Wenn dieser Zustand noch länger so anhält, dann ist das Projekt wohl als gescheiter zu erklären, denn dann ist nicht mal die wichtigste Hausarbeit gemacht und der gute Wille ist nicht mehr erkennbar."

d) Jeet Liuzzi stellte die "moderne Übertragungstechnik" für das Fürstentum zur Verfügung. Über sein "JeetTV" verbreitete das Fürstentum seine Botschaften an die "Brüder und Schwestern". Als diverse Teilnehmer sich in seinem Jeet TV-Chat über den Inhalt der Germania-Live-Streams lustig machten, wurden sie kurzerhand gesperrt. Für Teilnehmer, welche Links auf offenbar holocaustleugnende Webseiten setzten, galt dies allerdings nicht. In einer kurzen, offenbar am 10.04.2009 aufgezeichneten Erklärung, die Jeet Liuzzi bei "JeetTV Kanal Zwei" als Stream ausstrahlte, hieß es von diesem schließlich nur kurz, der "Kanal Germania TV" werde "stillgelegt".

e) Nach Recherchen von inforiot soll auf der Gründungsveranstaltung des Fürstentums auch ein gewisser Bernhard S. Arnhold anwesend gewesen sein, was durch ein Foto dokumentiert sei. Bei Arnhold soll es sich um einen "Holocaustleugner" handeln. Google-Recherchen ergeben, daß ein Mann namens Bernhard S. Arnhold ein Interview mit dem NPD-Vorsitzenden Voigt geführt haben soll, in dem Voigt sich solidarisch mit Horst Mahler erklärte. Das Interview ist u.a. bei YouTube zu finden. Ob der Gesprächspartner Voigts allerdings tatsächlich Arnhold ist, ist nicht zu erkennen. In einem Artikel aus dem Dezember 2007, veröffentlicht bei haGalil, heißt es zu Arnhold:

"Bernhard S. Arnhold, Voigts Interviewpartner, sagte in diesem Sommer bei einer Veranstaltung einer rechtsextremen Minisekte in einem verrauchten Kneipenhinterzimmer, dass er genau wisse, das es keine Vernichtungslager gegeben habe. Nicht ein einziger Jude sein, so Arnhold weiter, durch Zyklon B umgebracht worden."

"Endstation rechts" bringt Arnhold in einem Beitrag vom 24.07.2007 schließlich in Zusammenhang mit dem "Runden Tisch" in Berlin, also vermutlich dem des Fürstentum-Mitbegründers Thomas Patzlaff. Eine Verbindung, die so seitens der "KRR"-FAQ bislang allerdings nicht nachvollzogen werden konnte, insbesondere nicht die Behauptung, Arnhold sei beim "Runden Tisch" für "Inneres" und "Presse" verantwortlich gewesen. Nach Informationen der "KRR"-FAQ gab es jedenfalls bei diesem "Runden Tisch" keinen Arbeitskreis "Presse", lediglich einen Arbeitkreis "Öffentlichkeitsarbeit und Medien" (Screenshot). Und für den Arbeitskreis "Inneres" war 2007 jedenfalls in der Zeit von Februar bis Juni auf den Internetseiten des "Runden Tisches" ein Herr Pohl aufgeführt (Screenshot).

f) Auch Wolf Deinert warb in einer E-Mail-Mitteilung vom 15.02.2009 "für alle die , die nicht da waren" [gemeint ist die Gründungsveranstaltung am selben Tag] für Germania. Deinert ist in der Szene der "Reichsdeutschen" kein Unbekannter. Am 01.02.2003 fand in Berlin eine "Informationsveranstaltung" der Ebel-"KRR" in Berlin statt. Das wäre an sich nicht weiter berichtenswert. Jedoch hatte Dipl.-Ing. Wolf Deinert massiv dafür geworben. Zu dieser Veranstaltung finden Sie hier weitere Details. Deinert warb auch unter der Faxkennung einer "Bauschlosserei B. Prutz" für neue "Reichsausweise" der Ebel-"KRR". Der Bauingenieur Deinert war in der DDR inhaftiert, hat sich später "schriftstellerisch" betätigt, u.a. Hörspiele verfaßt. Aufgrund seiner Inhaftierung war er einige Zeit in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen beschäftigt. Deinert war, wie bei nadir.org nachzulesen ist, Autor der "Jungen Freiheit". Nach eigenen Angaben hat Deinert inzwischen jedoch nichts mehr mit der Ebel-"KRR" zu tun. Dafür war er jedoch am 11. August 2004 im Landgericht Berlin Zuschauer im Prozeß gegen Horst Mahler u.a. Nach Berichten von Prozeßbeobachtern applaudierte er mit einigen anderen Zuschauern den Ausfällen Mahlers, woraufhin die Kammer die Sitzung unterbrach. In einer E-Mail vom 01.10.2006 lobte Deinert u.a. die Herren Jürgen-Michael Wenzel und Klaus Weichhaus als "zwei integere Leute, die einen deutschen Rechtsstaat schaffen wollen, die sich seit vielen Jahren - unter hohen persönlichen Kosten ( !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!1 ) dafür engagiert haben" (Screenshot).

g) Bei einer Versammlung auf "Schloß Krampfer" traten am 28.02.2009 laut einem Bericht der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" einige bemerkenswerte Zeitgenossen auf. So referierte u.a. ein Vertreter der "Germanischen Neuen Medizin" des Ryke Geerd Hamer. Weiter wurde einem "Lichtmensch" und "Reichspräsident einer provisorischen Regierung der Nationalen Einheit des Deutschen Reiches" namens Peter Lindt eine Bühne geboten, um einen Vortrag über angeblich ungeklärte Grenzen der BRD zu halten und auf die Grenzen von 1937 hinzuweisen, wie in "Reichling's Blog" nachzulesen ist.

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8. Fazit

Bei der Beurteilung des Fürstentums sollte nicht der Fehler einer pauschalen Einordnung als "rechte Gruppe" oder gar als "Esoterikfaschisten" gemacht werden. Sicherlich gab es beim Fürstentum einige Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - tatsächlich an die Idee eines "friedlichen, basisdemokratischen Kirchenstaats" glauben, ein wenig Autarkie und Anarchie ausprobieren wollten. Sie ließen sich dabei noch nicht einmal von noch den haarsträubenden Geschichten aus der angeblichen Biographie Jessie Marssons irritieren, konsumierten sie sogar kritiklos. Doch entstand gerade angesichts der führenden Köpfe des Fürstentums der Eindruck, daß diese solche Menschen für ihre eigenen Zwecke als eine Art Feigenblatt zu mißbrauchen versuchten. Welche Zwecke das konkret waren, blieb im Dunkeln. Wenn sich allerdings Jo Conrad und Jessie Marsson über eine angebliche Hetzkampagne gegen das Fürstentum beschwerten, zeigen die von Jedermann leicht zu recherchierenden Fakten, daß deren Distanzierung von "rechts" lediglich Lippenbekenntnisse sind.

Hinzu kommen wie oben dargestellt weitere ganz offensichtlich antisemitische und geschichtsrevisionistische Tendenzen.

So ergab eine Google-Suche noch Mitte März 2009 Verbindungen des Fürstentums zum "Deutschen Volksblatt". Beim Aufruf der Internetseite des "Deutschen Volksblatt" erschienen Zitate aus einem antisemitischen Film namens "Schwindler's List", welche u.a. belegen sollen, daß das Judentum 1933 Deutschland den heiligen Krieg erklärt habe. Auf der Startseite wurde dann in großen Buchstaben darauf hingewiesen, daß Bernd Knobloch (Mitglied im Aufsichtsrat der Hypo Real Estate Holding AG), der Sohn der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, und des "Kaufmannes Samuel Knobloch" sei. "Jetzt verstehen wir das Engagement der Frau Merkel" hieß es. Und nicht minder zynisch: "Aber die Schulden, die sie uns hinterlassen, die dürft ihr schon tragen, dazu ist das deutsche Volk schließlich da!!!!!" (Screenshot). Ein Link führte von der Homepage direkt zur Internetseite des Fürstentums. Im Impresum der Seite tauchte ein "German News Service" mit Sitz in England auf (Screenshot). Nach Recherchen Internetportals Esowatch.com (seit Juli 2012: "Psiram.com") handelt es sich hierbei um eine - inzwischen gelöschte - Limited, als deren "director" ein "Jessie Michael Freiherr von Pallandt" (hier im übrigen mit angeblich venezuelanischer Staatsbürgerschaft) fungierte. Im Live-Stream vom 17.03.2009 behauptete Jessie Marsson allerdings, daß man die Seite des "Deutschen Volksblatts" vor mehr als einem Jahr aus der Hand gegeben habe. Sie sei vor einem halben Jahr sogar "gehackt" worden. Wieso dort dann aktuelle Verweise auf das "Fürstentum" zu finden waren, ebenso die Ankündigung eines Interviews mit Marsson, erklärt dieser nicht. Jedoch erklärt Marsson gleichzeitig, daß er an der Internetseite eigentlich nichts Schlimmes finde. Er habe nur "das Zeitungszitat am Anfang" gefunden. Das sei aber nicht antisemitisch, so Marsson in seiner ganz eigenen "Logik", weil es ja ein Zeitungszitat aus dem Jahr 1933 sei. Und auch was dort gegen die Famlilie Knobloch zu lesen sei, sei nichts Antisemitisches, so Marsson. Die Knoblochs seien ausschließlich "als Menschen angegriffen" worden. Inzwischen (Stand: 27.03.09) ist die fragliche Seite interessanterweise nicht mehr abrufbar.

Weitere Recherchen von inforiot, die in einem Artikel am 06.03.2009 veröffentlicht wurden, belegen, daß Jo Conrad und Christoph Kastius im Juni 2007 zu den Teilnehmern einer "Reichsbürgerkundgebung" in Berlin zählten. In dem Artikel heißt es u.a.:

"In einem Aufruf zu dieser Kundgebung hatte es in klassischer antisemitischer Diktion geheißen: "Die 'Niedermachung' und Ausplünderung Deutschlands hat System. Sie verläuft unverkennbar nach einem Menschen verachtenden Plan, der unter der Überschrift 'Protokolle der Weisen von Zion' bekannt ist.""

Offenbar handelte es sich bei dieser Veranstaltung um eine für den 17.06.2007 u.a. als "Volksaufstand", "Menschenrechts-Großdemo" oder "Friedliche Großdemo" u.a. von Christoph Kastius und Klaus-Dieter Weisheit in verschiedenen Aufrufen angekündigte Veranstaltung vor dem Brandenburger Tor. Der von inforiot zitierte Aufruf stammt von einem "Thyl Steinemann". Einem anschließenden Bericht Kastius' vom 19.06.2007 zufolge sei ein Demonstrationsteilnehmer festgenommen worden (Screenshot). Zu den Teilnehmern habe demnach ein Holocaustleugner gehört, der angeblich zur Eskalation beigetragen habe. Kastius nennt ihn "Herr Frank Reinicke". Ob dies der richtige Name ist oder ob es sich hierbei vielmehr entweder um den rechtsextremen "Liedermacher" Frank Rennicke oder um Dirk Reinecke handeln könnte, ist unklar. Von wem diese Veranstaltung letztlich tatsächlich organisiert wurde, läßt sich inzwischen auch aufgrund der zahlreichen verschiedenen Aufrufe nicht mehr eindeutig feststellen. Es existiert jedoch ein Flugblatt, in dem als Veranstalter ein "Komitee für Internationales Völkerrecht- und Menschenrechte ( DRB )" genannt wird und das mit "Schutzbund der Kreditnehmer – Landesverband Hessen e.V." unterzeichnet ist, also offenbar im Zusammenhang mit Klaus-Dieter Weisheit steht. Auf dem Flugblatt befinden sich allerdings die Internetadressen verschiedener "Reichsregierungen" bzw. -ideologen, so die Seite der "Regierung" des Matthes Haug oder die Seiten von Christoph Kastius, Klaus-Dieter Weisheit und Jürgen-Michael Wenzel (Screenshot). Der rbb berichtete in der Sendung "Klartext" am 25.03.2009 ebenfalls über diese Demo und zeigt Fotos von Kastius und Conrad sowie einigen "rechte(n) Glatzen". Das LKA Berlin nenne die Veranstalter dieser Demonstration "rechtsextrem", heißt es.

Der Sektenexperte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, der Mitte Februar 2009 das "Fürstentum" noch als "schräge Alternative" verklärt hatte, ruderte auf Nachfrage von inforiot zurück und wird wie folgt zitiert:

"Beim 'Fürstentum' handelt sich um einen gefährlichen Verein, der genau wegen seiner 'alternativen' und karnevalsartigen Tarnung zu leicht genommen wird. Genau dies ist mir auch erst passiert. In der Prignitz besteht die Gefahr, dass dort für Rechtsextreme und braune Esoterik eine 'befreite Zone' entstehen könnte."

Nach Einschätzung des Sektenexperten verfolge das Fürstentum "keine religiösen Ziele", weswegen die Rede von einem Kirchenstaat "nicht angemessen" sei, heißt es bei inforiot weiter.

Auch im - inzwischen gelöschten - Internetforum einiger Schloßbewohner (der "nu era operation:kampfer") fanden sich Aussagen, die erheblich an der Distanzierung des Fürstentums von "rechts" zweifeln ließen.

So wurde in einem Diskussionsfaden von einem Mitglied namens "Zhenja" u.a. der Volksverhetzer Norbert Steinbach als Beispiel dafür angeführt, daß in der "Scheindemokratie" Bundesrepublik Deutschland "Leute" wegen einer freien "Meinungsäußerung" verurteilt würden. Auch der Holocaustleugner Ernst Zündel (-> Wikipedia) befand sich in der Aufzählung "Zhenjas", der als sog. Avatar-Bild das Foto eines glatzköpfigen Mannes verwendete (Screenshot). Bernd Matthes ("Milan"), aktiver Mitstreiter für das Fürstentum und Administrator des Forums, merkte immerhin an, daß Steinbach als Beispiel "recht problematisch" sei. Zu Zündel verlor er hingegen kein Wort. Matthes bezeichnete den § 130 StGB (Volksverhetzung) wörtlich als "Knebel-Paragrafen" (Screenshot). "Zhenja" lobte dann ausgerechnet Rußland, weil dort "jeder sagen" könne, "was er will ..sogar gegen einen Juden!". Und weiter: "unsere Generation muß immer noch büssen und die ganze dreckpolitik mit überfremdung der Menschen verschr. Herkunft usw..hat das Ziel die Germanen zu zersetzen und zu vermischen mit anderen Völkern..ein Mischvolk zu machen damit man über IHN leichter herrschen kann!" (Screenshot). Das hat leider recht wenig mit dem "Frieden" zu tun, dem man den Menschen erklären möchte.
Daraufhin schrieb "Sebastian", vermutlich Sebastian Mayer, einer der Mitbegründer des "Fürstentums": "In Bundesrepublikanischen Gerichten sind Tatsachen offenkundig, die jeder Physik und Mathematik trotzen" (Screenshot). Es dürfte aufgrund des Zusammenhangs, in dem diese Äußerung getätigt wurde, wenig Zweifel daran bestehen, worauf "Sebastian" hiermit abzielte.

Am 23.03.2009 schrieb Jo Conrad alias "Bignose" im "Krampfer"-Forum zum Thema Holocaust (Screenshot):

"Zum Thema Holocaust ist ja nur eine Ansicht erlaubt. Was soll ich dazu also sagen? Die Wahrheit einer Sache, die man nicht dem Zweifel aussetzen kann, ist nicht zu überprüfen. (...) Was ist das für eine Denkart, in der einem vorgeschrieben wird, was man über einen einzelenen Aspekt der Geschichte denkt? Warum kann man Gott anzweifeln aber nicht den Holocaust, ohne ins Gefängnis zu kommen?
Erst, wenn wir frei darüber sprechen können, werde ich dazu Stellung nehmen.
"

Hiermit machte er zum einen mehr als deutlich, daß er den Holocaust als eine "Glaubensfrage" sieht; in der rechten Szene wird im Zusammenhang mit dem Holocaust oft auch von einer "Holocaust-Religion" gesprochen, obwohl er eine bewiesene Tatsache und keine Glaubensfrage ist. Zum anderen verdeutlicht Conrad, daß er nur deshalb nicht ins Detail gehen möchte, weil er sich sonst strafbar machen würde.

Am 25.03.2009 berichtete der rbb im Magazin "Klartext" über das Fürstentum als "Neues Zentrum für rechtsextreme und Antisemiten". Allein die Ankündigung des Berichts sorgte bei Jessie Marsson und Jo Conrad für Aufruhr. Im Live-Stream vom selben Tag (vor der Ausstrahlung des Beitrags) drohte Conrad: "Das wird Folgen haben!" und sprach von "Hexenverfolgung". Er distanzierte sich von "Holocaustleugnern. Das gehört einfach dazu". Jessie Marsson sprach von "Rufmord" und sah sich "gezwungen", seine Solidarität "mit den israelischen Bürgern, die damals in Deutschland gelebt haben" zu erklären. Was dann folgte war entweder eine bodenlose Geschmacklosigkeit, schlichtes Unwissen oder dummes Gerede. Marsson kündigte an, Aufkleber in Form "Gelber Sterne" zu bestellen, für all diejenigen, die sich vom rbb verfolgt fühlten. "Wir machen auch Aufnäher", versprach Marsson weiter. Und Conrad faselte dazu mit Blick auf denn rbb-Bericht (den er bis dahin noch gar nicht gesehen hatte) vom "Stürmer-Stil", der mit Journalismus nichts mehr zu tun habe. Auffällig war zudem, daß Marsson Juden nicht als Juden bezeichnete, sondern als "israelische Mitbürger". Er nehme das Wort "Jude" nicht gerne in den Mund, so Marsson.

Aufgrund der Ausagen Jessie Marssons im o.g. JeetTV-Livestream vom 09.06.2009 dürfte man das Fürstenrum Germania inzwischen als Vergangenheit und somit gescheitert ansehen. Daß es dazu kam, lag sicher auch an den konsequenten Reaktionen der örtlichen Behörden und den Aktionen besorgter Bürgerinnen und Bürger rund um das Schloß Krampfer. Hinzu kommt die Person Jessie Marssons. Dieser hat mit seinen haarsträubenden Märchen und seinen (w)irren Auftritten in diversen Live-Streams den Eindruck erweckt, es hier mit einem psychisch stark gestörten Menschen zu tun zu haben.

Das Fürstentum Germania erregte aufgrund des großen Werberummels zur Gründung tatsächlich viel Aufmerksamkeit, die jedoch ab etwa Mitte April 2009 zusehends abebbte, nachdem das Fürstentum seine "Öffentlichkeitsarbeit" weitgehend eingestellt hatte (keine Live-Streams mehr, keine öffentlichen Internetforen). Insgesamt wirkten die handelnden Personen noch unseriöser als es sonst bei den verschiedenen "Reichsregierungen" üblich ist. Wer gedacht hatte, daß das Projekt Germania selbst an dem sonst so sehr auf seine Außenwirkung bedachten Jo Conrad nicht spurlos vorüber geht, sah sich im Januar 2010 getäuscht. Obwohl Conrad sich vermutlich selten zuvor so harscher Kritik ausgesetzt sah wie bei seinem Engagement für Germania und Jessie Marsson, startete er mit diesem im Januar mit "Bewusst.tv" ein neues gemeinsames Projekt. Die Inhalte, also die "rechtliche Argumentation" des Fürstentums war - wie dargestellt - stellenweise absolut hanebüchen. Trotz allem gab es zahlreiche Anhaltspunkte für Rechtsextremismus, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und nicht zuletzt offensichtliche Verbindungen zu "Reichsideologen", so daß keinesfalls der Fehler begangen werden sollte, das Fürstentum Germania pauschal als harmlos zu beurteilen, auch wenn einige Mitstreiter dies vermutlich sind und diese noch so "verschroben" erscheinen. Zudem ist noch immer unklar, woher das Geld für den Schloßkauf tatsächlich kam und ob es außer Marsson, Pallandt und Conrad nicht noch andere Hintermänner gab.

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III. Umgang mit Kritikern

Nachdem kritische Artikel über das Fürstentum u.a. im Rahmen der "KRR"-FAQ erschienen waren, beschwerten sich inbesondere Jo Conrad und Jessie Marsson über eine Hetzkampagne.

In einem Live-Stream am 18.02.2009 mokierte sich Jo Conrad, der einmal mehr als "Moderator" fungierte, insbesondere über die negative Berichterstattung beim Internetportal Esowatch.com (seit Juli 2012: "Psiram.com"). Die "KRR"-FAQ fand leider keine Erwähnung. Als Beispiel für die angeblich üblen Methoden fügte er ein Bild in einem Blog-Artikel an, das offensichtlich eine Fotomontage ist (Screenshot). Conrad sprach von Fälschung und verurteilte die Macher von Esowatch, die auf einer Internetseite ohne Impressum das "Fürstentum" diffamieren wollten. Als Gegenbeispiel nannte er die Offenheit, mit der die Macher des Fürstentums nach Außen treten, sogar ihre Telefonnummern veröffentlichten. Wie unpassend dieser Vergleich war, wird am Beispiel des Jessie Marsson deutlich, der bereits unter verschiedensten Namen auftrat und bei dem man sich nicht sicher sein kann, ob denn Jessie Marsson wenigstens sein echter Name ist, was seinen Anhängern aber offensichtlich egal zu sein scheint. Das "Freigeistforum", in dem Conrad als Administrator fungiert und in dem ebenfalls auf das fehlende Impressum bei Esowatch hingewiesen wurde, hat im übrigen selbst auch kein Impressum. Nachdem Conrad die Verantwortung für dieses Forum vor einiger Zeit nach außen hin aufgegeben hatte, war wenigstens im NIC-Eintrag noch eine natürliche Person zu finden (wenn auch in Afrika lebend). Inzwischen nutzt das "Freigeistforum" - wie Esowatch oder die "KRR"-FAQ - einen anonymisierten NIC-Eintrag. Auffällig ist zudem, daß Conrad weder während des Streams noch im "Freigeistforum" die Gelegenheit nutzte, sich mit den inhaltlichen Kritikpunkten des Artikels bei Esowatch auseinanderzusetzen. Er verurteilte den Artikel lediglich pauschal, man werde "in die rechte Ecke" gestellt, in Verbindung mit Scientology und Kinderpornographie gebracht.

Kritikern des Fürstentums wollte man allerdings nichts Böses. Jessie Marsson erkärte ihnen "den Frieden" und schwadronierte dann in einem Live-Stream am 25.02.2009 über angebliche BND-Methoden der Kritiker (gezielte Desinformation, Zitate aus dem Zusammenhang gerissen), ohne allerdings konkrete Gegenbeweise zu liefern. Weiterhin behauptete Marsson, man habe Privatdetektive beauftragt, welche herausfinden sollten, wer hinter Esowatch und "KRR"-FAQ - deren Betreiber er als "Schreibtischterroristen" bezeichnete - stecke. Im Live-Stream vom 26.03.2009 bezeichnete Marsson die Kritiker dann als "armseelig, absolut armseelig".

Germania-Unterstützer Jeet Luizzi faselte - wie bei Esowatch nachzulesen war - sogar von einer "dunklen Seite" und rief zur Jagd auf: "Ich bitte alle Menschen auf die Jagd, auf die Informationsjagd zu gehen hinter diese Menschen die schöpferische Energien eingrenzen". Im Stream am 26.03.2009 nannte er die Kritiker des Fürstentums "Feiglinge, die manipulieren" und die "keine Seele mehr hätten".

Unmittelbar nachdem der Beitritt Christoph Kastius' zum Fürstentum bei Esowatch und der "KRR"-FAQ thematisiert wurde, begann dieser mit eigenen "Recherchen" über die Menschen hinter beiden Internetseiten. Hierzu führte er Telefoninterviews mit dem vorbestraften Volksverhetzer Norbert Steinbach sowie mit dem Vorsitzenden der Interim Partei Deutschland, Edgar Romano Ludowici. Steinbach und Kastius verstiegen sich in ihrem Gespräch anfangs beispielsweise zu der Vermutung, Klaus Parker (der bis zu seinem Tod die ladungsfähige Anschrift für die Domain krr-faq.de stellte, unter der die "KRR"-FAQ eine Zeitlang zu erreichen war) habe seinen Tod nur vorgetäuscht. Dies schlossen sie aus der Tatsache, daß die Inhalte auf der Domain krr-faq.net mit denen bei krr-faq.de identisch seien. Später ruderte Steinbach etwas zurück und räumte ein, daß Klaus Parker vermutlich doch gestorben sein könnte. Ludowici behauptete hingegen völlig überzeugt, Klaus Parker sei noch aktiv: "Daß er gestorben ist, glaube ich kein Wort". Kastius sprach in diesem Zusammenhang von einem "Scheintod". Steinbach behauptete Kastius gegenüber weiterhin, die ehemalige Betreiberin des Informationsdienstes gegen Rechtsextremismus (IDGR) sei im "Levitensaal" tätig, "in der Bibliothek". "Leviten, sind die ganz, ganz bösen Juden", meinte Steinbach. Der Rest der Gespräche beschränkte sich auf die altbekannten absurden Theorien und Spekulationen, beispielsweise die, daß Post an die alte Adresse der "KRR"-FAQ in einer Polizeistation nebenan abgegeben werde. Kastius ist dabei offenbar noch nicht einmal in der Lage, eine E-Mail-Adresse richtig zu lesen, da er Steinbach gegenüber behauptete, auf den Seiten krr-faq.net sei eine E-Mail-Adresse von Klaus Parker angegeben, was nicht der Fall ist und nie der Fall war. Der IPD-Vorsitzende Ludowici behauptete, im Rahmen der FAQ werde (verbotenerweise) aus Gerichtsakten zitiert, was ebenfalls unzutreffend ist. Denn zitiert wird aus öffentlich zugänglichen Quellen, meist sogar aus Quellen der "Reichsideologen" selbst. Darüber hinaus behauptete Ludowici, es gebe in Deutschland lediglich zwei Juristen namens Frank Schmidt: einen Staatsanwalt und einen Richter. Rechtsanwälte zählt er dabei offenbar ebenso wenig zu den Juristen wie Assessoren. Insgesamt sind die Telefoninterviews beinahe schon amüsant, jedenfalls sofern man sich darüber amüsieren möchte, wie sich jemand von einem Toten verfolgt fühlt. Bei Steinbach (bei dem laut Gerichtsgutachten im Verfahren AG Kassel, 247 Ds - 1613 Js 25844/04, spätestens 2002 eine "wahnhafte Störung" eingetreten sein soll) und Kastius (nach eigenen Angaben 1986, 1991 und 1998 in der Psychiatrie) sollte - diese Polemik sei gestattet - dies eigentlich nicht verwundern.

In einem Fernsehbericht des rbb vom 03.03.2009 kam eine Nachbarin des Schlosses zu Wort. Sie erklärte:

"Wenn sie überhaupt gespürt haben, daß man der ganzen Sache kritisch gegenübersteht, war man sofort umringt von drei, vier Leuten, die einen zugequatscht haben (...) und offensichtlich aber (...) auch eine Menge Wissen haben zu Fragen, wo man gar nicht so schnell gegenhalten kann, wenn man sich nicht jeden Tag mit Staatsrecht (...) auseinandersetzt oder Völkerrecht. Und sie haben ganz schnell vom Thema abgelenkt."

Dies ist genau die Taktik, die von den diversen "Reichsideologen" bereits benutzt wird. Man überschüttet die Menschen mit Aktenzeichen, Paragraphen und Gesetzen, um den eigenen Aussagen den Anschein von Glaubwürdigkeit zu geben und allein wegen der Vielzahl angeblicher Fakten die Menschen zu verwirren. Kommen dann konkrete Nachfragen werden meist noch mehr Parapraphen usw. genannt oder es wird auf andere Punkte eingegangen, nach denen jedoch gar nicht gefragt wurde. Dabei muß man sich in der Regel noch nicht einmal "jeden Tag" mit Staats- oder Völkerrecht befassen, sondern es genügt zunächst der gesunde Menschenverstand und ein wenig Allgemeinwissen, um beispielsweise zu wissen, daß es das Lehnsrecht nicht mehr gibt oder daß es völlig absurd ist, anzunehmen, daß eine Handvoll Leute auf einem Privatgrundstück einen eigenen "Staat" ausrufen. Um den Rest der angeblichen Fakten widerlegen zu können, genügt dann im Regelfall ein gutes Lexikon oder das Wissen um die Benutzung einer Internet-Suchmaschine.

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IV. Das Nachfolgeprojekt: Bewusst.tv

Im Januar 2010 meldeten sich drei der "Fürstentum-Führer" in einem InternetTV-Stream mit einem neuen Projekt namens "Bewusst.tv" zurück, darunter Jessie Marsson und Jo Conrad. In einem "JeetTV"-Livestream, vermutlich vom 04.02.2010, erklärte Marsson dazu, man habe in Japan, "natürlich voll anonym" einen Fernsehsender gegründet. Hierfür habe man "extra einen Menschen kreiert". Durch die Erwähnung des angeblich hierfür verwendeten Namen "Paolo Pinkel" versucht Marsson offenbar in Anspielung auf den Fall Michel Friedman (siehe u.a. hier und dort) einmal mehr, antisemitische Stimmungen in seiner "Zielgruppe" zu bedienen, auch wenn Marsson gleich einschränkt, sein "Paolo Pinkel" habe natürlich nichts mit Friedman zu tun. Angeblich gebe es diesen Menschen wirklich, er habe sich bereit erklärt, seinen Namen für das Projekt zu geben. Nachdem im Impressum der Internetseite zunächst weder Name noch Anschrift genannt worden waren, tauchte dort ab ca. Mitte März allerdings nicht "Paolo Pinkel", sondern ein "Mr. Kawaguchi Mosahuru" aus Tokio auf. "Gute Freunde" hätten Marsson zudem Patente "zugespielt", unter anderem für die "freie Energie". Diese sollen bei Bewusst.TV veröffentlicht werden. Jeder, der diese Patente nutze - was für Privatleute problemlos möglich sei - könne sich "vom deutschen Stromnetz unabhängig machen", fabulierte Marsson grinsend.

Mit von der Partie ist zudem Michael Vogt, ein ehemaliger Honorarprofessor der Universität Leipzig, der von dieser Ende 2007 wegen Kontakten zur "rechten Szene" entlassen worden war (siehe die Spiegel-Online-Artikel vom 12.11.2007 und 23.11.2007). Der Kommunikationswissenschaftler Vogt hatte 2004 gemeinsam mit einem späteren Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion den umstrittenen Film "Geheimakte Heß" gedreht. Hierfür berief man sich u.a. auf einen Würzburger Geschichtsprofessor, der sich allerdings, so ist einem Bericht von redok vom 09.11.2007 zu entnehmen, "vehement gegen diesen Missbrauch seiner Reputation in einem 'eindeutig rechtsradikalen Kontext'" wehrte. Jo Conrad und Michael Vogt kennen sich unter anderem aus einem gemeinsamen Interview zur "Geheimakte Heß" für den Internetsender secret.tv. Siehe zum Thema auch diesen Telepolis-Artikel.

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V. Weiterführende Links

04.06.2009: Schweriner Volkszeitung - Keine Aussage zu den Kosten

20.05.2009: Berliner Zeitung - Polizei räumt "Fürstentum Germania"

20.05.2009: Potsdamer Neueste Nachrichten - "Fürstentum" siedelt nach Räumung um

20.05.2009: Berliner Kurier - Kein Fürstentum für die Esoterik-Nazis

20.05.2009: Märkische Allgemeine - "Regierungssitz" in Krampfer gesperrt

20.05.2009: Märkische Allgemeine - Gemeinde verbannt "Germania"-Anhänger...

20.05.2009: Norddeutsche Neueste Nachrichten - Verschlossen und versiegelt

19.05.2009: radioeins rbb - Fürstentum Germania geräumt

19.05.2009: Märkische Allgemeine - "Fürstentum Germania" in Krampfer ist geräumt

19.05.2009: Berliner Morgenpost - Polizei löst "Fürstentum Germania" auf

18.05.2009: taz.de - Brandenburg greift Fürstentum an

15.05.2009: Märkische Allgemeine - "Eine Sache, die zu brodeln beginnt"

15.05.2009: Der Tagesspiegel - Schloss ohne Herren

14.05.2009: Märkische Allgemeine - Homepage rechter Schläger

05.05.2009: Potsdamer Neueste Nachrichten - Bauamt will Prignitzer "Fürstentum" räumen

05.05.2009: Märkische Allgemeine - Besuch mit Polizeischutz

17.04.2009: Märkische Allgemeine - Räumung des Schlosses angedroht

15.04.2009: Märkische Allgemeine - "Der Schoß ist fruchtbar noch..." (lesenswert!)

07.04.2009: Berliner Zeitung - Finstere Mächte

04.04.2009: Telemedialwatch - Germanische Märchenstunde 1.2 - Die Mär vom Druiden

03.04.2009: Der Prignitzer / svz.de - "Fürstentum" breitet sich aus

30.03.2009: Märkische Allgemeine - Für Schloß Krampfer existierte bis 2007 eine Nutzungsbindung

29.03.2009: Telemedialwatch - Germanische Märchenstunde Teil 1.1 - Die Leben des Jessie

28.03.2009: Märkische Allgemeine - Zensur im neuen "Staat"

27.03.2009: taz - Die Fürsten der Prignitz

25.03.2009: rbb Klartext - "Fürstentum Germania" - Neues Zentrum für Rechtsextreme und Antisemiten

23.03.2009: SpiegelTV online - Fürstentum Germania: Der Spuk von Schloß Krampfer

22.03.2009: redok - Antisemitische Thesen in Kronacher Synagoge

19.03.2009: Märkische Allgemeine - "Fürsten" wollen schon expandieren

15.03.2009: Der Tagesspiegel - Die Hippies von Germania

14.03.2009: Potsdamer Neueste Nachrichten - Krude Ideen im Prignitzer Fürstentum

12.03.2009: Märkische Allgemeine - Wollen die nur spielen?

12.03.2009: Märkische Allgemeine - Experten informieren über "Fürstentum Germania"

12.03.2009: Berliner Zeitung - "Gefährliche Hintermänner"

12.03.2009: Berliner Zeitung - Dubioses Fürstentum in der Prignitz

12.03.2009: Berliner Morgenpost - "Fürstentum Germania" in der Prignitz

12.03.2009: Schweriner Volkszeitung - Feigenblatt oder harmlos?

10.03.2009: rbb online - Bürger gegen ominöse Politsekte (RealPlayer erforderlich)

10.03.2009: Schweriner Volkszeitung - Nicht nur einige nette, junge Leute

09.03.2009: Märkische Allgemeine - Mitglieder nehmen Stellung

06.03.2009: inforiot - Neues aus dem Prignitzer Spukschloß

03.03.2009: rbb online - Sekte will eigenes "Reich" gründen (RealPlayer erforderlich)

02.03.2009: Märkische Allgemeine - Doch nicht harmlos

02.03.2009: Märkische Allgemeine - Extremismus: Ritter basteln ihr eigenes Reich

28.02.2009: Telemedialwatch - Sensation! Die USA erkennen das Fürstentum Germania (...) an

26.02.2009: inforiot - Ein neues Germanien in alten Gemäuern

24.02.2009: Telemedialwatch - Alaaf & Helau

21.02.2009: Märkische Allgemeine - Viele offene Fragen zum "Fürstentum Germania" (...)

21.02.2009: Märkische Allgemeine - Was von der Woche übrig blieb

17.02.2009: Schweriner Volkszeitung - "Kulturschock"

17.02.2009: Märkische Allgemeine - Bürgermeisterin schaltete Polizei ein

16.02.2009: Märkische Allgemeine - "Staatsgründung" in Krampfer

16.02.2009: Schweriner Volkszeitung - Fürstentum Germania ausgerufen

Stand: 28.03.2010

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Letzte Änderung: 09.07.2012.

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